Druckschrift 
Barfüßele
Seite
186
Einzelbild herunterladen
 

186

wohin, und es war ihr heute so schreckhaft, wie dasimmer ist, wenn man nichts weis; von der Welt und inGedanken so dahin geht; sie erschrak vor jedem Tone,die Frösche im Weiher krächzten so fürchterlich, und dieSchnarren in den Wiesen so heimtückisch, die Bäumestehen so schwarz in die Nacht hinein. Es hat heute gegenEndringen zu gewittert. Der Himmel ist von fliegendenWolken überzogen, nur manchmal blinkt ein Stern her-vor. Barfüßele eilt durch das Feld in den Wald, siewill doch zum Dami, sie muß sich wenigstens mit einemMenschen davon ausreden. Wie ist es im Wald so dunkel!Was ist das für ein Vogel, der jetzt in der Nacht zwit-schert, fast wie eine Amsel, wenn sie am Abend heim-fliegt, undich komm' komm' komm'; komm'schon, komm'schon!" lautet der Klang? Und jetzt schlägt die Nach-tigall, so ohne Athcmholen, so von innen heraus, quel-lend, sprudelnd, leise rieselnd, wie ein Waldquell, derans dem Innersten der Erde gespeist wird.

Mehr hin und her schlängelten sich nicht die Wurzelnauf dem Waldwege, als die Gedanken Barfüßeles durch-einander liefen.

Nein, der Plan ist nichts! Geh nur wieder heim,"sagte sie sich endlich, und kehrte um, aber noch langewanderte sie in den Feldern umher, sie glaubte nicht mehran Irrlichter, aber heute war es doch, als ob sie eineshin- und hcrführte, und heute zum crstemnale spürte sicauch, daß sie im Nachtthau so lange barfuß umherging,und dabei brannten ihr die Wangen. In Schweiß ge-badet kam sie endlich heim in ihre Kammer.