97
unüberwindlichen Abscheu davor, ihn anzuziehen, aber Bar-füßele, die ehedem den Nock des Vaters als ein Heilig-thum betrachtet und gepriesen hatte, fand jetzt eben soviel Gründe zu beweisen, daß ein Rock doch eigentlichnichts sei, daß gar nichts darauf ankäme, wer ihn einstauf dem Leibe gehabt.
Der Kohlenmathes, der nicht weit von der schwarzenMarann' wohnte, nahm Dami mit als Gehülfen beimHolzschlagen und Kohlenbrennen. Dami war das abge-schiedene Leben am willkommensten; er wollte nur nochausharren bis er Soldat werden mußte und dann wollte erals Einsteher eintreten und auf Lebenszeit Soldat bleiben;beim Soldatenleben ist doch Gerechtigkeit und Ordnung undda hat Niemand Geschwister und Niemand ein eigen Hausund man ist in Kleidung und Speise und Trank versorgt undwenn's Krieg gibt, ist ein frischer Soldatentod noch das Beste.
Das war es was Dami am Sonntag im Moos-brunnenwalde aussprach, wenn Barfüßele hinabkam zumMeiler, ihm Schmalz und Mehl und Rauchtabak brachteund ihn oft belehren wollte, wie er außer der gewöhnlichenSpeise der Waldköhler, die in schmalzgebähtem Brod be-steht, auch die Knödel, die er sich selbst bereitete, schmack-hafter machen könne; aber Dami wollte das nicht, gerade sowie sie auskamen, war es ihm recht: er würgte gernSchlechtes hinab, obgleich er hätte Besseres essen könnenund überhaupt gefiel er sich in einer Selbstverwahrlosung,bis er einst zum Soldaten herausgeputzt würde. Barfüßelekämpfte gegen dieses ewige Hinausschauen auf eine kom-mende Zeit und das Verlorengehenlassen der Gegenwart,sie wollte den Dami, der sich in innerer Schlaffheit wohl-gesiel und sich dabei selbst bemitleidete, immer aufrichten;
Auerbach, Barfüßele. 7