Druckschrift 
Barfüßele
Seite
96
Einzelbild herunterladen
 

96

nicht das von den Dienstboten! Ich sag: das wird sichzeigen, und ich lass' es auf einen Prozeß ankommen, undda sagt er: So? Jetzt kannst du gleich gehen. Wer einenProzeß anfangcn will, hat aufgekündigt. Ich hätte direin paar Gulden geschenkt, aber so kriegst du keinen Hel-ler. Jetzt mach', daß du fortkommst!... Da bin ich nun,und ich mein', ich sollt' meinen zuderhändigen Gaul mit-nehmen, ich Hab ihm das Leben gerettet, und er ging'gern mit mir. Gelt du? Aber ich habe das Stehlennicht gelernt, und ich wüßt' mir auch nicht zn helfen,und es wäre am besten, ich spränge jetzt in's Wasser.Ich komme mein Lebtag zu nichts und ich Hab' nichts."

Aber ich Hab' noch und will dir helfen.."

Nein, das thu' ich nicht mehr, daß ich dich aussauge;du mußt dir's auch sauer verdienen."

Es gelang Barfüßele ihren Bruder zn trösten und ihnso weit zu bringen, daß er mit ihr heimging; aber kaumwaren sie hundert Schritte gegangen, als etwas hinterihnen drein trabte. Der Gaul hatte sich losgerissen undwar Dann gefolgt und dieser mußte das Thier, das erso sehr liebte, mit Steinwürfen znrückjagen.

Dann schämte sich seines Unglücks und ließ sich fastvor keinem Menschen sehen, denn es ist die Eigenheitschwacher Naturen, daß sie ihre Kraft nicht im Selbst-gefühle empfinden, sondern gern durch äußerlich Eroberteszeigen was sie eigentlich vermögen, Mißgeschick sehen sieals Zeichen ihrer Schwäche an, und wenn sie solchesnicht verbergen können, verstecken sie sich selber.

Nur an den ersten Häusern des Dorfes hielt sichDann auf. Die schwarze Marann' schenkte ihm einenRock ihres erschossenen Mannes. Dami hatte einen