Druckschrift 
Barfüßele
Seite
48
Einzelbild herunterladen
 

48

nachsagtc, daß er vormals die Gänse gehütet habe. Abermit allem Eifer konnte sie ihm das nicht klar machen,nnd er trotzte mit ihr; denn so ist es immer: gerade andem Pnnkte wo das Verständnis; anfhört, beginnt eineinnere Verdrossenheit. Die innere Unmacht übersetzt sichin äußeres Unrecht nnd erfahrene Kränkung.

Amrei freute sich fast, daß Dann vieleTage so bös mit ihrsein konnte; er lernte doch jetzt an ihr sich gegen die Weltzu stemmen nnd auch seinen eigenen Willen zn behaupten.

Dann bekam indeß auch bald ein Amt. Erwurde von seinem Pfleger dem Rodelbaucr als Vogel-scheuche benutzt; er durfte im Banmgartcn des Rodelbaucrnden ganzen Tag die Rassel drehen, um die Sperlinge vonden Frühkirschcn nnd aus den Salatbeeten zn verscheuchen,aber er gab das Amt, das ihn Anfangs als Spiel ver-gnügt hatte, bald wieder auf.

Es war ein fröhliches aber auch ein mühsames Amt,das Amrei übernommen hatte; besonders war es ihr oftschwer, daß sie nichts zu machen wußte, wodurch sie dieThicre an sich fesselte. Ja, sie waren kaum voneinanderzu unterscheiden. Und eS war nicht uneben, was ihr einstdie schwarze Marann', als sie ans dem Moosbrunnen-waldc kam, darüber sagte,Die Thicre, die in Hcerdcnleben, sind alle jedes für sich allein dumm."

Und ich mein' auch" setzte Amrei fort:Die Gänsesind deswegen dumm, weil sie zn vielerlei können; sickönnen schwimmen und laufen und fliegen, sind aber nichtim Wasser, nicht auf dem Boden und nicht in der Luftrecht daheim nnd das macht sie dumm."

Ich bleib' dabei" entgegnete die schwarze Marann'in dir steckt noch ein alter Einsiedel."