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Barfüßele
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wüßt', daß du in solcher Jahrszcit so barfuß herumläufst."Das Kind schaute die Bäuerin groß au, als wollte essagen: weiß denn die Mutter nichts davon? Die Bäue-rin aber fuhr fort: „Das ist noch das Aergste, daß ihrnicht einmal wissen könnet, was für rechtschaffene Elternihr gehabt; drum müssen's euch ältere Leute sagen. Denketdaran, daß ihr euren Eltern erst die rechte Seligkeit gebt,wenn sie im Himmel droben hören, wie hier unten dieMenschen sagen: des Josenhansen Kinder, die sind dieProbe von allem Guten, da sieht man recht deutlich denSegen der rechtschaffenen Eltern."

Nasche Thränen rannen bei diesen letzten Worten derBäuerin von den Wangen. Die schmerzliche Rührung inihrer Seele, die noch einen ganz andern Grund hatte,brach jetzt bei diesen Gedanken und Worten unaufhaltsamhervor, und Eigenes und Fremdes floß ineinander. Sielegte ihre Hand ans das Haupt des Mädchens, das imAnblicke der weinenden Frau auch heftig zu weinen be-gann; es mochte fühlen, wie sich eine gute Seele ihmzuwendete, und eine dämmernde Ahnung, daß es wirklichseine Eltern verloren, begann ihm klar zu werden.

Das Angesicht der Frau leuchtete aber plötzlich auf.Sie richtete das Auge, in dem noch Thränen hingen,zum Himmel auf und sagte: „Guter Gott, das schickstDu mir." Dann fuhr sie zu dem Kinde gewendet fort:„Horch, ich will dich mitnehmen. Meine Lisbeth ist mirin deinem Alter genommen worden. Sag, willst du mitmir in's Allgäu gehen und bei mir bleiben?"

„Ja," sagte Amrei entschlossen.

Da fühlte sie sich von hinten angefaßt und ge-schlagen.