IX. Heimatsangabe.
LXXXI
Statt des eigentlichen Geburts- oder Wohnortes bilden wir, nament-lich wenn derselbe unbedeutend und weniger bekannt war, oft denNamen des nächstgelegenen größeren Orts, einer benachbarten be-kannteren Stadt, namentlich der Hauptstadt der ganzen Landschaft 1 ,wie Bregenz statt Dornbirn, Waldkirch statt Bleibach, Konstanz stattAllensbach, Augsburg statt Friedberg u. a. m . 2 Auch in diesem Punktleisten uns die Matrikel und das Promotionsbuch der Artisten, mit-unter auch die Taxationslisten gute Dienste. Oft erfahren wir erstdaraus, welches der eigentliche Heimatsort ist, insofern die Artisten-matrikel statt dem größeren den kleineren Ort hat, manchmal ist esfreilich auch umgekehrt. Solchen Fällen also, in denen z. B. die all-gemeine Matrikel Reutlingen, die der Artisten genauer Pfullingen hat,stellen mir andere gegenüber, in denen z. B. die allgemeine MatrikelAltkirch Bas. dioc., die der Artisten ungenau nur Basiliensis hat.Beiderlei Fälle sind in den Anmerkungen verzeichnet.
Auch in andern Fällen bot die Artistenmatrikel willkommene Hilfe.Sehr häufig sind wir bei Ausdrücken wie Badensis, Zellensis, Roten-burgensis u. a. in Verlegenheit, welcher der verschiedenen Orte diesesNamens (Baden, Zell, Rothenburg bzw. Rottenburg) gemeint ist, biswir — wenn nicht andere Anhaltspunkte sich finden —■ in der Artisten-matrikel auf die genaueren Ausdrücke Marchiobadensis, ZellensisAcronianus, Rotenburg ad Necarum stoßen.
Auch bei abkürzenden Angaben helfen die Matrikeln und/Proto-kolle der andern Fakultäten sowie die Protokolle des Senats mitunteraus, wenn sie z. B. statt Jo. Brisacher genauer Jo. Sutoris de Brisach.statt Caspar Offenburger Caspar Buchholz de Offenburg, statt Fr. Ger-hardus Fr. Gerhardus Martini, statt Petrus Blankenburg Petr. Gos-quini de Albomonte bieten. Denn nur zu oft kommt es, namentlichim ersten Matrikelbuch, vor, daß nach alter Sitte nur der Vornameund der Ort der Herkunft 3 , auch in Formen wie Jo. Puttlinger stattde Püttlingen, Böblinger statt de Böblingen eingetragen wurden (vgl.Personen- und Ortsregister).
Trotz all dieser Stützen ist es oft schwer, mitunter unmöglich,den Ortsnamen mit absoluter Sicherheit zu identifizieren mit dem
1 Auch G. Bauch (Die Anfänge des Humanismus in Ingolstadt 100) sprichtvon dieser Sitte, bei der Heimatsbezeichnung einen kleineren Ort durch einen nahengrößeren zu ersetzen, und weist auf bekannte Beispiele, wie Celtes Ilerbipolitanus— genau von Wipfeld — u. a. hin.
2 Dazu kommt, daß auch hier die nächstgelegene Stadt zugleich der Ort ist,wo der Betreffende seine Schulbildung genossen und seine Jugendjahre zu-gebracht hatte.
8 Uber diese Sitte vgl. C. Wendeier im Archiv für Literaturgeschichte,lirsg. von Fr. Schnorr v. Carolsfeld VII, Leipzig 1879, 455 A.