I.XXXII
Einleitung.
heutigen. Namentlich ist noch eine Schwierigkeit zu nennen. Nebender deutschen Form finden wir, vorab in der Blütezeit des Humanismus,auch die lateinische, oft auch nur zum Teil durchgeführt, also nebende Neustadt Neopolitanus, aber auch neben Newenravenspurg Novum-ravenspurg*. Zweifelhaft wird die Sache dann, wenn der altrömischeName hervorgeholt wird. Es ist z. B. nachzuweisen, daß Iuliomagusbald für Pfullendorf (so bei Hier. Fencher, inskribiert 18. Mai 1596).bald für Rottweil (so bei Jo. Faber, inskribiert 3. Januar 1598), baldfür Hausen (bei Georg Reiser, inskribiert 13. Juni 1606, vgl. matr.fac. art.) angesetzt ist.
Neben dem Heimatsort ist gewöhnlich die Diözese, der dieserangehört, angegeben. Freilich werden diese Angaben der Diözesan-zugeliörigkeit im dritten Matrikelbuch immer seltener. Infolgedessenwird auch aus diesem Grunde die Bestimmung der Herkunft, dieIdentifizierung mit dem heutigen Ortsnamen, im 17. Jahrhundert etwaserschwert. Im Zeitraum 1620—1625 z. B. ist schon bei 23 1 / 2 %, alsobei fast einem Viertel der Namen die Diözese nicht angegeben; in einzelnenSemestern steigt die Zahl der Namen mit unbestimmter Diözesanzuge-hörigkeit bis auf über ein Drittel (1627 sogar bis auf die Hälfte 2 ).Auffallend ist die Unsicherheit in der Angabe (Matrikelbuch III fol. 7 20 )
. . . Brandenburgensis, diocesis ut putat eiusdem, noch mehr (IIIfol. 168 1 ) diocesis nescio cuius, auffallend deswegen, weil nicht nurder Betreffende selbst seine Heimatsdiözese offenbar nicht kannte, son-dern auch von der Universität niemand die Diözese bestimmen konnteund man sich offenbar nicht weiter darum kümmerte.
Ein laicus oder clericus Constantiensis ist wohl immer ein Laie oderKleriker, der in Konstanz als solcher zuletzt lebte oder seßhaft ist.ein N. N. Constantiensis laicus oder clericus dagegen ein in Konstanzgeborener Laie oder Kleriker, freilich meistens auch, wenn keineweitere Angabe gemacht ist, in Konstanz lebend. Clericus oder laicusConstantiensis steht aber auch manchmal ungenau für der. oderlaic. Constant, diocesis, was bei der schon oben beklagten Ungenauig-keit und Nachlässigkeit des Schreibers nicht weiter auffallen wird.
Es kommen auch Immatrikulationen vor, bei denen neben demNamen nur die Diözese, nicht die Heimatsstadt oder das Heimatsdorf—- eben infolge derselben Nachlässigkeit — angegeben ist. Fernerist mitunter aber auch weder Ort noch Diözese angegeben, sondern
1 Vgl. für Erfurt die Bemerkungen L. Geigers in der Vierteljahrsschrift fürKultur und Literatur der Renaissance 1, Berlin 1886. 253.
2 Man kann sagen, daß im allgemeinen in unsern Matrikelbüchern die Ge-nauigkeit in der Angabe der Diözesanzugehiirigkeit im gleichen Maße etwa abnimmt,als die in der Angabe des Studiums zunimmt.