Druckschrift 
2 (1831)
Entstehung
Seite
7
Einzelbild herunterladen
 

7

aussteigen findet gewöhnlich bei völliger Trockenheit der Wände derRöhre nicht statt, weil die Lust so fest an den Wänden anhangt,daß sie erst mit einiger Gewalt weggctricben werden muß; hat sieaber einmal ihren Platz dem Flüssigen cingeräumt, so übt nun dieWand ihre ganze Anziehungskraft auf den flüssigen Körper aus.

Diese Anziehungskraft, die man in der Anwendung auf diesesPhänomen Haarröhrchenkraft, Capillar - Anziehung, genannthat, äußert sich mw in den allerklcinstcn Entfernungen, denn einFelt-Ucberzug von der geringsten Dicke hindert jene Einwirkungder Oberfläche, die also in höchst enge Grenzen muß eingeschlossensein. Aber wie geringe auch die Entfernung sein mag, bis zu wel-cher die Wirksamkeit dieser Kraft merklich ist; so erhellt doch, daß(bssi;. 3.) die an der Mündung » der Röhre ab liegenden Wasser-theilchen von der Röhrenwand hinauf, von der unteren Wassermassehinabwärts gezogen werden, daß dadurch, indem der Zug hinaufgrößer ist als der Zug herab, diese zunächst an a liegenden Theilchennicht mit ihrem vollen Gewichte herabwärts drücken, also dem vonder freien Wasscrmasse her entgegen wirkenden Drucke nicht dasGleichgewicht halten können, sondern zu einigem Steigen des Was-sers in der Röhre, wodurch die Gleichheit des von innen her wir-kenden Druckes und des äußern Druckes hergestcllt wird, Veran-lassung geben. Dieses Steigen des Wassers über die Oberflächedes umgebenden Flüssigen ist am stärksten im Innern der Röhre,weil hier die Theilc der Wand, indem jeder zum Heben einer undderselben Wassersäule beiträgt, sich einander unterstützen; aber ineinigem Grade sehen wir diese Hebung der Oberfläche des Flüssigenauch an der äußeren Wand der Röhre, ja an jeder Wand, die eineBefeuchtung des Flüssigen angenommen hat, und der Grund,warum sie hier sehr geringe ist und schon in einer geringen Entfer-nung von der Wand sich in die Horizontal-Ebne der übrigen Ober-fläche verläuft, ist leicht cinzusehcn.

Die Höhe, bis zu welcher sich in derselben Röhre verschieden-artige Flüssigkeiten erheben, ist sehr ungleich, und richtet sich nichtnach den specisischen Gewichten der Flüssigkeiten, sondern nach dercigenthümlichcn Verschiedenheit der anziehenden Kraft, die auf denflüssigen Körper ausgeübt wird, oder nach dem Unterschiede der an-ziehenden Kräfte, welche die Theilchen des Flüssigen unter sich und