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1 (1878) Allgemeine Geschichte des Geschlechts von Schwerin
Entstehung
Seite
127
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Diese Beinamen wurden dem Geschlecht von Schwerin in dem Maasse eigenthümlich, dass mehrfach diebetreffenden Mitglieder sich selbst mit denselben bezeichneten und dass sie sogar wiederholentlich die Stelledes Familiennamens vertraten. Sie sind in dem Geschlecht etwa 200 Jahre urkundlich nachweisbar; in einerUrkunde des 13. Jahrhunderts erscheinen sie zuerst, in Urkunden des 15. Jahrhunderts zuletzt. Von den4 Hauptlinien des Geschlechts von Schwerin, der Meklenburgischen, der Usedom'schen, der Altwigshagen'-schen und der Spantekow'schen, hat die Usedom'sche gar keine, die Spantekow'sche die meisten Beinamengeführt; es ist dies erklärlich, da jene minder zahlreich, diese dagegen die bei weitem ausgebreitetste vonallen war.

Eine Gattung von Beinamen entspricht den Namen Schwerin'scher Besitzungen (wie ja der Ge-schlechtsname von Schwerin selbst nach unserer Ueberzeugung 1 ) ursprünglich nur ein Beiname ähnlicher Artgewesen ist). Dahin gehören die Beinamen: von Dussin und Wulvescrog, auch von Wulvecrog, inder Meklenburgischen Linie die einzigen, welche bei dieser Linie gefunden werden, vonSpantekowin der Spantekow'schen und Hagen in der Altwigshagen'schen Linie.

Alexander von Schwerin (Taf. I. 9) nennt 1299 2 > sich selbst Alexander von Dussin von seinemBesitz in Dussin d. h. Gross-Tessin in Meklenburg, und wird 1318 3) Sanderus de Deescin genannt.

Alexanders Söhne und deren Nachkommen, mit andern Worten der ganze Bützow'sche Zweigder Meklenburgischen Linie (Taf. I. 17, 18, 2022, 2528, 30) führte von 1329 an bis zum Jahre 1412den Beinamen Wulvecrog (auch Wulvekrog, Wulvehrogh, Wulvescrogh, Wulveskrog, Wulvekruch, Wulveskruch,Wulvekrugh geschrieben 4) ) von seinem Wohnsitz gleiches Namens. Die Schwerine dieses Zweiges werdenbezeichnet und bezeichnen sich selbst theils als Heino, Georg, Henneke u. s. w. von Schwerinandersgeheissen Wulveskruch", theils alsHeino vom Wulveskruch", theils kurzweg alsHeino Wulves-kruch".

Von seinem Stammgute Spantekow heisst Henning von Schwerin (Taf. VII. 4) 1326 und 1329 5 >Henning von Spantekow, und ebenso Arnd von Schwerin (Taf. V. 25) vom Stammsitz Altwigshagen,welches sehr häufig in abgekürzter Form Hagen genannt wird, im Jahre 1431 Arend Hagen 6 ).

Die zweite Gattung der Schwerin'schen Beinamen mag, wie bei mehreren derselben mit einiger Wahr-scheinlichkeit angenommen werden darf, einer äusseren oder inneren Eigenthümlichkeit, einem Characterzuge,einer Lieblingsbeschäftigung, einem Amte oder sonstigen Umständen und Verhältnissen entlehnt sein; derenEntstehungsweise und Beziehung zu den zuerst mit denselben belegten Personen sicher feststellen zu wollen,wäre gewagt, weil hierüber nirgends ein Aufschluss auch nur andeutungsweise gegeben wird.

Adelung in seinen handschriftlichen Nachrichten von dem Geschlecht von Schwerin 7 ) bemerkt Cap. 5§ 8 und 9, dass nach Elzows Angabe in dessen gleichfalls handschriftlichen Geschlechtsnachrichten dervon Schwerin 8 ) dieses Geschlecht bis zur Zeit des Grosshofmeisters Ulrich von Schwerin (Taf. VIII. 5),also bis in das 16. Jahrhundert, nach des Letzteren eigenen Aufzeichnungen 12 verschiedene Beinamen ge-führt habe, nämlich:

1) Steinköppe, 2) Hagere, 3) Baurfeinde, 4) Bohnen, 5) Mäuse, 6) Kuhlefatzen, 7) Diestel,8) Cardinäle, 9) Steckebühren, 10) Ziedler, 11) Tellegrütten, 12) Grautöppe 9) . Wir fügen nochaus den eigenen Ermittelungen die Beinamen 13) Clathar, 14) Brummer und 15) Kokemester hinzu,welche ebenfalls, und zwar vor dem 16. Jahrhundert, in Gebrauch waren.

Von diesen 15 Beinamen sind indessen nur folgefide 9 durch urkundliche Zeugnisse nachgewiesen:die Steinköppe, Baurfeinde, Bönen, Mäuse, Diestel, Grautöppe, Clathar, Brummer undKokemester; in Betreff der übrigen 6, d. h. der Kuhlefatzen, Hagere, Ziedler, Cardinäle, Stecke-bühren und Tellegrütten, müssen wir auf die Angaben bei Adelung resp. bei Micraelius, AntiquitatesPomeraniae, und anderen Pommerschen Geschichtschreibern uns verlassen.

9 der genannten Beinamen gehören der Spantekower Linie an bezw. deren nächsten Abzwei-gungen, der Linie Iven, der Linie Putzar und der Linie der Bönen (Taf. VII, VIII und IX), 6 der(älteren) Altwigshagen'schen Linie bezw. ihrer nächsten Abzweigung, der Linie Aurose (Taf. Vund VI).

Wir beginnen mit der Spantekower Linie, weil in ihr am frühesten ein Beiname dieser (zweiten)Gattung gefunden wird, und lassen die einzelnen Beinamen nach der Zeit ihres ersten Erscheinens einanderfolgen.

1) Vgl. Abschnitt 1. 2) U. B. I. 52. Vgl. die zugehörige Anm. 2. 3) U. B. I. 59. 4) Vgl. U. B. I. 65 nebst

Anm., 70, 73, 79-81, 8386. 5) U. B. II. 88, 89 und 93. 6) U. B. II. 290. 7) Vgl. das Vorwort. 8) Vgl. ebend.

9) Wir haben hier vorläufig Adelungs Schreibweise der Namen beibehalten.