Druckschrift 
1 (1878) Allgemeine Geschichte des Geschlechts von Schwerin
Entstehung
Seite
76
Einzelbild herunterladen
 

Altwigshagen, Prov. Pommern, Kr. Anclam, ein uraltes Schwerin'sches Lehn, ist unzweifelhaft in derzweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts von Oldag (Taf. V. 1) gegründet und nach diesem Oldogheshaghenbenannt worden, unter welchem Namen es 1295 zuerst urkundlich erscheint (U. B. II. 36; siehe auch U. B.II. 69, 100, 143, 202); auch wird es in alten Urkunden Oldigeshagen (U. B. II. 95, 265), Oldewigeshagen(U. B. II. 146, 271, 351 u. a.) u. s. w. geschrieben, erscheint aber auch häufig in der abgekürzten FormIlagen (U. B. II. 105, 185, 420, 442 u. a.), auch Hayn. Es ist neben Spantekow der älteste bekannteStammsitz der Pommerschen Schwerine, und werden zwei Linien nach demselben benannt: die ältereund die jüngere Linie Altwigshagen (Taf. V und XVII). Es stand dort ein ansehnliches altes Schloss(castrum) mit Graben, Wällen und Thürmen, von welchem aus die Schwerine ihre Streifzüge unternahmenund besonders auch ihre Händel mit Anclam 1382 und 1386 führten (siehe Taf. V. 15, 30). Zu Endedes 15. Jahrhunderts aber, als der Landfriede Platz griff, gerieth es in Verfall. Der Altwigshagen'scheBesitz, zu welchem ausser Altwigshagen selbst Antheile an verschiedenen Gütern: Demnitz, Wittstock,Lubtz, Neuendorf, Ducherow, Busow, Aurose, Boldekow und der Zoll (U. B. II. 456) gehörten, war Anfangsausschliesslich in Händen der älteren Altwigshagen'schen Linie, welche 1525 ihre Lehndienste dafür mit5 Pferden leisten musste (U. B. H. 442), zersplitterte sich aber durch fortgesetzte Erbtheilung so sehr, dassdie einzelnen Besitzer sich zu Verkauf oder Verpfändung genöthigt sahen. (Siehe Taf. V. 1, 2, 3, 6, 10,25, 30, 33, 39, 40, 41, 44 bis 50, 52, 53, 54, 56, 58, 60 bis 64, 66, 68, 69, 70, 72, 78, 92). Von Old-wig (Taf. V. 54) und Werner (Taf. V. 61) erwarb um 1524 Hans Bone (Taf. IX. 5) mehrere Antheile,erweiterte noch durch andere Ankäufe diesen Besitz und hinterliess ihn seinen Söhnen (vgl. Taf. IX. 5, 8,10), welche denselben aber ihrerseits 1566 auf 30 Jahre an den Grosshofmeister Ulrich (Taf. VIII. 5) ver-pfändeten (U. B. II. 521). Späterhin unter Hans Bones Erben deshalb entstandene langwierige Streitig-keiten (vgl. Taf. X. 1, XIII. 1, 2, 3, XVI. 1, 2, 5; auch Anm. 4 auf S. 250 des biogr. Theils) endetenerst 1617 in Folge des Erwerbs der Altwigshagen'schen Güter (U. B. II. 581) durch Otto (Taf. XVII. 2).Dieser Letztere kaufte auch 1627 und später die auf Johann Adolf (Taf. V. 82) vererbten Antheile undbrachte damit den ganzen damals noch in der älteren Linie (Taf. V) befindlichen Besitz an seine Linie,welche wir deshalb als die jüngere Linie Altwigshagen bezeichnen (Taf. XVII).

Durch Erbschaft gingen dann diese gesammten Güter auf den Generalmajor Bogislav (Taf. XVII. 8)über, welchem in Folge von Verträgen mit seinen Brüdern (U. B. II. 610, 612) dieselben ungetheilt ver-blieben, und welchem 1639 auch noch die Hälfte des sogen. Lindstedt'schen Antheils zufiel. DieFamilie von Lindstedt war nämlich um die Mitte des 15. Jahrhunderts in den Pfandbesitz eines an-sehnlichen Theils von Altwigshagen gelangt (vgl. U. B. II. 535, 585, 587, 611 u. a.) und hatte durch2 Jahrhunderte fast mit den Schwerinen zugleich die Lehen daran empfangen. Erst als sie 1639 aus-starb, gelangte auch dieser Antheil wieder an die Schwerine und zwar in Folge von Vergleichen (U. B. II.611, 621; vgl. auch U. B. S. 451 Anm. 1) etwa je zur Hälfte an den oben gedachten General Bogislavund an Anton Dettlof auf Löwitz (Taf. X. 8). Mit Ausnahme dieses letzteren verhältnissmässig kleinenTheils vereinigte also der General (Taf. XVII. 8) die gesammten Altwigshagen'schen Güter, wie sie ehe-dem die ältere Linie besessen hatte (vgl. jedoch Aurose), nebst den von Hans Bone dazu gemachten Er-werbungen. Abgesehen von Antheilen an Neuendorf und Ducherow, welche er seinem Bruder PhilippJulius (Taf. XVII. 5) überliess, vertauschte der General im Jahre 1658 diesen ganzen Besitz gegen dieWopersnow'schen Güter (siehe diese) an Georg Friedrich von Borcke, und ist Altwigshagen seitdemein Borcke'sches Lehn.

Der in Altwigshagen lange erhaltene Thurm, der letzte Ueberrest des alten Schlosses aus der Schwe-rin'schen Zeit, ist etwa 1866 gesprengt worden; jetzt steht dort ein neues Schloss.

Der an Anton Dettlof (Taf. X. 8) gefallene halbe Lindstedt'sche Antheil ging durch Erbschaft aufseinen Sohn, den Hessischen Generallieutenant Dettlof (Taf. X. 23), über, welcher 1689 auch die oben er-wähnten, an Philipp Julius (Taf. XVII. 5) überlassenen Antheile kaufte, diesen Besitz durch weitere Ankäufeerweiterte und ihn mit den Witt stock'sehen Gütern vereinigte. Siehe diese.

In Anclam, Prov. Pommern, Kreisstadt, Hausbesitz 1533. Taf. V. 66.

Aukam (Augam), Prov. Ostpreussen, Kr. Preuss. Eylau, gehörte 1667 zu Wildenhoff. Taf. XVIII. 1.

Aurose, Prov. Pommem, Kr. Anclam, auch Owrose geschrieben, ein altes Schwerin'sches Lehn undStammhaus der danach benannten von der älteren Altwigshagen'schen Linie (Taf. V) sich abzwei-genden Linie (siehe Taf. V, auch VI), als deren Stammvater wir Werner (Taf. V. 50) betrachten,welcher 1468 in Aurose begütert erscheint (U. B. II. 349). Aurose wird hier zuerst urkundlich ge-nannt. Das Lehn gehörte ursprünglich zu den Altwigshagen'schen Gütern (siehe diese), scheint aberbei den häufigen Erbtheilungen von diesen abgetrennt zu sein, und befand sich zum grössten Theilim Besitz der Nachkommen des oben genannten Werner (siehe Taf. V. 60, 61, 68, 74), von welchenvorzugsweise Hans (Taf. V. 84) 1626 nach diesem Gute zubenannt wird (U. B. II. 442). Durch Erbgang