Je seltener die Fälle sind, in welchen eine vielverzweigte und weit ausgebreitete alte Familie nichtnur ihre Existenz auf einen gemeinsamen Ahn zurückzuführen, sondern auch mit Sicherheit festzustellen ver-mag, dass erst mit diesem Ahn ihr Name in die Erscheinung getreten ist, um so lebhafter war der Wunschder Familie von Schwerin, der mit Ernst und Freude zugleich gepaarten Erinnerung an ihr geschichtlichnachweisbares nunmehr siebenhundertjähriges Bestehen einen festlichen Ausdruck zu geben. Im Anschlussan den diesjährigen Familientag (am 22. Juli) sollte ein Gottesdienst in Schwerinsburg die Feier einleiten,alsdann aber die (sonst so zerstreut lebende) Familie zuerst in Schwerinsburg, weiter in Janow und endlichin Wolfshagen zu engstem Verkehr gastlich bei einander weilen.
In Folge der tieferschütternden Ereignisse indessen, welche demnächst einerseits über unser Herrscher-haus, andrerseits über das Haus Schwerin selbst unvermuthet hereinbrachen und Trauer auf Trauer häuften, er-starb der Sinn für Festlichkeiten, — die Jubelfeier wurde aufgegeben, und stiller denn je trat am 22. Julider Schwerin'sehe Familientag zusammen. Gleichwohl sollte dieser Tag nicht ohne besondere Weihe vor-übergehen: vor denversammelten Conferenzmitgliedern empfingt unter feierlicher Ansprache der Graf Victorvon Schwerin auf Schwerinsburg (Taf. XII. 31) eine Allerhöchste Cabinetsordre, durch welche ihm im Hin-blick auf das Jubeljahr der Familie das Prädikat „Excellenz" verliehen wurde.
Wir freuen uns, grade mit diesem Gedenkblatt an das in den mannichfachsten Beziehungen für dasGeschlecht von Schwerin bedeutungsvolle Jahr 1878 unsere Arbeit über die bisherige Geschichte desselbenbeschliessen zu können. Die Allerhöchste Cabinetsordre lautet:
Aus Anlas s der bevorstehenden sieb enhundertjährigen Jubelfeier der Familie von Schivenn findeIch Mich in Würdigung der Hingebung, mit welcher sich zahlreiche Mitglieder der Familie von jeher dem Dienste Meines Hauses und Staats gewidmet haben, und zum Zeichen Meines Wohlwollensbewogen, Ihnen das Prädikat „Excellenz" in Gnaden liiemit zu verleihen.
Neues Palais bei Potsdam, den 8. Juli 1878.
Im Allerhöchsten Auftrage Seiner Majestät des Königs:Friedrich Wilhelm, Kronprinz.
An den Erbküchenmeister in Alt-Vorpommern, Kammerherrn Grafen Victor von Schwerin aufSchwerinsburg.
Berlin, Göhren und Hildesheim, im September 1878.
Dr. Louis Gollmert.Wilhelm Graf von Schwerin.Leonhard Graf von Schwerin.
1) Die Ueberreichung erfolgte durch den Landrath des Anclamer Kreises, Herrn von Oertzen.
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