Druckschrift 
1 (1878) Allgemeine Geschichte des Geschlechts von Schwerin
Entstehung
Seite
XIII
Einzelbild herunterladen
 

Der Zeit nach sind die einzelnen Theile des Werkes in umgekehrter Keihenfolge entstanden, als wiesie liier vorliegen. Zunächst galt es, in möglichster Vollzähligkeit die über das Geschlecht von Schwerinvorliaildenen urkundlichen Nachrichten aufzusuchen und zu einem Urkundenbuche zu vereinigen, zugleichaber dieses Urkundenbuch von allen denjenigen Schriftstücken frei zu halten, welche 1) zwar ebenfalls aufPersonen des Namens Schwerin sich beziehen, aber auf solche Personen dieses Namens, welche mit demgegenwärtig blühenden Geschlecht von Schwerin nicht in Zusammenhang stehen, sondern theils dem vor-maligen Dynastengeschlecht der Grafen von Schwerin, theils dem jenseits der Elbe im Lüneburgischen an-gesessen gewesenen, mit der Familie Grote stammverwandten Ministerial-Geschlecht von Schwerin angehörthaben 1 ', 2) nur scheinbar mit Personen des Namens Schwerin sich beschäftigen, insofern die Bezeichnungvon Schwerin" lediglich die Herkunftaus Schwerin" bedeuten soll 2 ).

Hätten wir uns damit begnügen wollen (wie es häufig geschieht), die bereits gedruckt vorhandenenUrkunden ohne Weiteres auf Treu und Glauben zu übernehmen und in das Schwerin'sche Urkundenbuch zuübertragen, so wäre die Herstellung desselben zu einem grossen Tbeile eine der Zeit und Mühe nach leichtausführbare Arbeit gewesen: denn eine erhebliche Anzahl der betreffenden Documente ist bereits gedruckt,wenn auch zu den verschiedensten Zwecken in den verschiedensten Werken; doch wir wollten in diesem Ur-kundenbuche nicht nur das überaus zersplitterte Urkundenmaterial endlich einmal zusammenfassen, sondern essollte dasselbe auch nach den zuverlässigsten Quellen abgedruckt werden. Nur wo die Verfasser eines Werkes(wie die Herausgeber des Meklenburgischen Urkundenbuches) für die Correctheit ihrer Abdrücke uns Bürgewaren (und auch dann nur, wenn das Zurückgehen auf die Quellen selbst mit nicht in Verhältniss stehen-dem Zeitaufwande verbunden gewesen wäre), oder wo die Quelle unbekannt, die Urschrift verloren gegangenund gleichzeitige oder wenigstens ältere Abschriften nicht vorhanden waren, haben wir den Abdrücken inunserem Urkundenbuch gedrucktes Material zu Grunde gelegt; in allen übrigen Fällen sind wir in den ver-schiedensten Staats-, städtischen und Familienarchiven zunächst den Originalen bezw. den Original-Conceptennachgegangen, und haben erst in zweiter Linie an den (in der Regel gleichzeitig niedergeschriebenen)Copiarien, an beglaubigten Abschriften oder ungünstigsten Falls an einfachen Abschriften uns genügen lassenund genügen lassen müssen.

Das Urkundenbuch zerfällt in zwei Abtheilungen; die erstere umfasst die Documente über die für sichvöllig abgeschlossene Meklenburgische Linie des Geschlechts, die zweite die Pommerschen Haupt- undUnter-Linien. Die Schriftstücke jeder Abtheilung werden nach der Zeitfolge mitgetheilt. Für die Meklen-burgische Urkunden-Abtheilung ist selbstverständlich das Hauptarchiv zu Schwerin in Meklenburg am er-giebigsten gewesen, für die Pommersche Urkunden-Abtheilung das Staatsarchiv zu Stettin mit Einschluss derHandschriften-Sammlung in der bei dem Staatsarchive aufbewahrten Bibliothek der Gesellschaft für PommerscheGeschichte und Alterthumskunde 3 '. Ausser diesen beiden wurden benutzt das geheime Staatsarchiv zuBerlin und die Staatsarchive zu Königsberg i/Pr. und Magdeburg, das Lehnsarchiv des Kammergerichts zuBerlin, das Lehnsarchiv des Appellationsgerichts zu Stettin, die städtischen Archive zu Anclam 4 ), Demmin,Greifswald, Stettin und Usedom, das Archiv der Universität zu Greifswald, die bezüglichen Urkunden derKöniglichen Bibliothek zu Berlin, die bezüglichen Manuscripte der sogen. Oelrichs'schen Bibliothek des

1) Vgl. Th. I S. 4 und 5.

2) z. B. magister Apollonius de Zwerin in einer Urkunde des Geheimen Staatsarchivs zu Berlin von 1217 ohne Tag (Urk.des Johanniter-Ordens No. 387), gedr. in den Meklenb. Jahrb. Jahrg. I S. 201 No. 2 und in dem Meklenb. UrkundenbucheBd. I S. 216 No. 230. Vgl. auch Th. I S. 6.

3) In dieser Sammlung und zwar in der sogen. Adelung'schen Bibliothek befindet sich auch unter Fol. S. ll a das Manu-script: Adelung, Abschriftliche Sammlung verschiedener dem Geschlecht der von Schwerin angehender Urkunden, die im Archivzu Schwerinsburg grösstentheils im Original aufbewahrt werden, von Anno 15701754, auch bezeichnet mit Diplomatarium gräflichvon Schwerin*scher Urkunden , welches für unser Urkundenbuch wie nicht minder für die Geschlechtsgeschichte überhaupt dadurchgrosse Bedeutung erlangt hat, dass die Originale in Schwerinsburg verloren und zwar, wie es heisst, hauptsächlich durch Feuerzu Grunde gegangen sind. Die Zahl der in der Handschrift enthaltenen Documente beträgt 65.

4) Die Urkunden der Stadt Anclam finden sich zwar ziemlich vollständig bereits gedrückt bei Stavenhagen, Topographischeund Chronologische Beschreibung der Pommerschen Kauf- und Handels-Stadt Anklam, und in dem Anhange Sprengeis, doch,wie es scheint, nicht nach den Originalen, sondern nach einem in dem Stadtarchive aufbewahrten Copiarium. Wie anders inFolge dessen diese Urkunden nicht nur in der Form, sondern zum Theil auch sachlich in unserm Urkundenbuche sich gestalten,

XIII