man die Geschichte der Familie als solcher ins Auge fasste, hat man sich auf einen kurzen Abriss be-schränkt 1 '; ebenso haben Schwerin'sche Urkunden in Urkundenbüchern nur da vereinzelte Aufnahme ge-funden, wo ihr Inhalt zufällig einem anderweitigen, der Urkunden-Edition zu Grunde liegenden Interesseentsprach. Was aber die handschriftlichen Aufzeichnungen zur Geschichte des Geschlechts von Schwe-rin betrifft, so haben die früheren sämmtlich in der nachbenannten umfangreicheren Ausarbeitung von Ade-lung und Sprengel Berücksichtigung gefunden, sodass wir aus dieser erfahren, was immer aus jenen zu er-lernen ist oder war 2 >.
Diese umfangreichere, im vorigen Jahrhundert entstandene Arbeit, deren Original auf dem Familien-gute Janow in Pommern aufbewahrt wird, führt den Titel: Umständliche historisch-und genealogische Nach-richten von dem alten gesammten Geschlecht der von Schwerin, ihrem Ursprünge, Alterthum, Namen,Wappen, Beinamen, Erb- und Ehren-Aemtern, Geschlechts-Häusern, Geschlechts-Folge, glücklichen undunglücklichen Unternehmungen, und ivas in diesem Geschlechte sonst Merkwürdiges vorgefallen. Alles auszuverlässigen, gehörigen Orts angeführten Urkunden zusammengetragen und in nachstehende Ordnung ge-bracht von Mag. Johann Paul Adelung, und fortgesetzet, durch diplomatisch-critische Anmerkungen er-gäntzet und berichtiget von Mag. Joachim Friedrich Sprengel, beiderseits Pastoren zu Boldeckow undPutzaar.
Das Werk hat grosse Verdienste, namentlich in Betreff der Mittheilungen über die persönlichen Ver-hältnisse der Familienmitglieder aus dem vorigen und den nächstvorangehenden Jahrhunderten; aber es
Karl Graf von Schwerin (Taf. XII. 11) und Charlotte Friederike Luise Gräfin Schwerin geb. von Berg, Blicke in ihrLehen", als Manuscript gedruckt 1877, herausgegeben von deren Tochter Frau Charlotte von Willich (Taf. XII. 32).
Ueber einzelne Capitel aus der Geschichte des Geschlechts von Schwerin handeln drei von Joachim Friedrich Sprengel inden Jahren 1791 und 1798 verfasste Widmungsschriften mit genealogischen Nachrichten (vgl. Brüggemann a. a. 0. S. 322 unterNo. 5—7), die Bemerkungen über Abstammung und Wappen des Geschlechts von Schwerin bei Lisch, Geschichte des Geschlechtsv. Oertzen I S. 17 ff., und Kunowski, Sammlung der wesentlichsten Actenstücke und Urkunden über die Reluition von Spante-kow aus dem Jahre 1833.
1) Vgl. den Abschnitt über das Geschlecht von Schwerin in Zedlers Universal-Lexicon Bd. 36 S. 450 ff., die betr. Ab-schnitte in den zahlreichen Adels-Lexicons und genealogischen Hand- und Taschenbüchern, v. Glasenapp's Sendschreiben an denGeneral-Feldmarschall Curd Christoph von Schwerin: „die Grösse des Ilochgräfl. und Adelichen Schwerin'schen Namens" inDähnerts Pomm. Bibliothek Bd. 2 S. 563 ff., „Geschlechtsnachrichten des uralten vornehmen Hauses derer von Schwerin" beiPauli, Leben grosser Helden Th. 7 S. 155 ff., und Sprengeis „Nachrichten vom Geschlecht derer von Schwerin" im Neuen histor.Göttingen'schen Magazin von Meiner und Spittler Bd. 1 S. 532 ff.
2) Die früheste Aufzeichnung dieser Art erfolgte durch den Grosshofmeister Ulrich von Schwerin (Taf. VIII. 5) im 16. Jahr-hundert; der Schwerpunkt derselben scheint eine Sammlung der auf das Geschlecht sich beziehenden Documente gewesen zu sein.Ulrichs Arbeit selbst ist (spätestens im 18. Jahrhundert) verloren gegangen; doch hat ihr Inhalt durch Albert Elzow (siehe unten)Verwerthung gefunden.
Den nächsten Aufsatz schrieb 1655 der Kurbrandenburgische Rath Martin Friedrich Seidel unter dem Titel: „KurtzerBericht von dem Adel, uralten Herkommen, Geschichten und Wappen derer von Schwerin" zu Ehren des Oberpräsidenten Ottovon Schwerin (Taf. XVIII. 1); dem Verfasser standen indessen für seine Untersuchungen weder die Nachrichten des Grosshof-meisters noch die einschlägigen Pommerschen Urkunden zur Verfügung.
Dagegen will Albert Elzow, vormaliger Senator und Secretair der Stadt Anclam, die eigenhändigen AufzeichnungenUlrichs von Schwerin noch gesehen und für seinen Aufsatz über das Geschlecht von Schwerin benutzt haben. Elzow schriebdiesen zu Ausgang des 17. Jahrhunderts als Theil eines grösseren Werkes, welches den Titel führen sollte „Speculum nobili-tatis Pomeraniae et Principatus Rugiae", aber unvollendet geblieben ist. Seinen Angaben, namentlich in Bezug auf den genea-logischen Zusammenhang der Familie und auf die Gütergeschichte, folgte Adelung, „solange man keine offenbaren Unrichtigkeitenbei demselben gemerket".
Endlich sammelte um dieselbe Zeit auch noch der General-Lieutenant Dettlof von Schwerin (Taf. XII. 23) Nachrichtenüber seine Familie und stellte sie zu einer Geschichte derselben zusammen; aber auch diese Handschrift ist (vermuthlich beieinem Brande in Schwerinsburg) untergegangen.
Aus neuester Zeit (etwa 100 Jahre nach Adelung) gehören hierher die (nur handschriftliche) „Genealogische Nachweisungdes Geschlechts derer von Schwerin" nebst (voraufgehender) „historischer Erläuterung", welche Graf Carl Ludwig Ernst vonSchwerin (Taf. XIII. 39) im November 1831 dem Grafen Johann Christoph Hermann von Schwerin auf Wolfshagen (Taf. XIX.18) gewidmet hat, und die auf langjährige genealogische Forschungen gegründeten Sammlungen eines Sohnes desselben, desgegenwärtig zu Creutzburg in Schlesien lebenden Grafen Fabian Ottomar Carl von Schwerin (Taf. XVIII. 47), — zweiQuellen, aus welchen unserem Wer,ke auf dem entsprechenden Gebiete sehr beachtungswerthes Material zugeflossen ist.
Noch haben wir hier ein Manuscript zu erwähnen, welches lediglich die unter sich verwandten Familien der Lüneburgi-schen Schwerine und der Groten zum Gegenstande hat und insbesondere deren Abstammung von dem alten Dynastengeschlechtder Grafen von Schwerin nachzuweisen versucht (vgl. Th. 1 S. 1,2, 4 und 5); es ist dies des Anno Mericus Sefanonius (EricusIlofmann) „Begründeter Bericht von Ankunft und Fortgang des uhralt adelichen Geschlechts in Saxen derer von Schwerin undGroten 1678", dessen Original in dem gräfl. v. Schwerin'schen Familienarchive zu Wildenhoff aufbewahrt wird.