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1 (1911) Von Justinian bis zur Mitte des zehnten Jahrhunderts : mit Index
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Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Erster Teil.

s. XV) und v. Winterfeld, Ztschr. f. deutsch. Altert. 45, 146. Die Widmung desLebens der heiligen Aldegundis nennt keinen Adressaten und Hucbaldverbirgt auch seine Person am Schlüsse des Briefes; 1 ) jedenfalls war derAdressat (die Äbtissin von Maubeuge) mit ihm befreundet. Das Leben ent-hält zwar geschichtliche Nachrichten, setzt sich aber besonders aus Wundernund Visionen zusammen (Migne 132, 857). Das Leben des Jonatus befandsich früher in Marchiennes, wie der alte Katalog 2 ) erweist. Daß Hucbalddas Leben des heiligen Lebuin dem Bischof Balderich von Utrecht wid-mete, geht aus dem Empfehlungsgedicht von Hucbalds Schüler Judio anBalderich hervor, 3 ) in dem Judio das Werk nicht genug preisen kann, daCiceros Stil und Augustins Gelehrsamkeit sich in ihm vereinige. Außerdemsandte es Hucbald an Odilo in Soissons und an den Archidiakon Petrus inCambrai, und zwar, wie aus den Dankbriefen beider hervorgeht, zum Zweckeder Durchsicht und der eventuell nötigen Verbesserung, was selbstverständlichvon beiden Adressaten gänzlich abgelehnt wird. Das Leben beginnt mitder Deutung des Wortes Lebuin, die sich eng an die Aufschrift und denText des Gedichtes von Radbod über die Tugenden des heiligen Lebuinanschließt, 4 ) wie Hucbald überhaupt eine ganze Anzahl von Quellen für seineDarstellung verwendet, darunter die Lebensbeschreibungen von Willibrord,Bonifaz und Liudger. 5 ) Dann geht er zu einer kurzen Darstellung vonBritannien über und beginnt die eigentliche Erzählung mit dem WirkenGregors des Großen. Von den früheren Schicksalen seines Helden in Englandweiß er allerdings fast nichts zu berichten, dagegen wird er ausführliciiüber Gregor von Utrecht und noch mehr über Bonifaz und Willibrord,d. h. in den Zeiten, als Lebuin schon auf dem Festlande weilte. Geschicht-lich wichtig wird Hucbalds Darstellung für die altsächsischen Verhältnisse,da sie nicht, wie in der Translatio Alexandri, auf Tacitus, sondern auf realerÜberlieferung beruht. Sonst aber ist die Erzählung inhaltsleer, denn die großeBekehrungsrede Lebuins an die Sachsen hat kaum ein Anrecht auf Glaub-würdigkeit. Im allgemeinen ist die Darstellungsweise Hucbalds in diesenhagiographischen Schriften klar und verständlich und der Stil lesbar; 6 ) dieSchriften sind viel weniger im volkstümlichen Erbauungsstil abgefaßt alsdie meisten Heiligenleben der Zeit. Bibelzitate sind allerdings sehr häufigeingestreut.

Hss. der Vita Lebuini: Colon. VI. 21 s. XV. Hag. L. 29 s. XV. Ausgabe: Migne 132,877—894; Auszüge: MG. SS. 2, 361. Das Gedicht Judios aus Berol. theol. Q 142 s. XV hrsg.von v. Winterfeld, PL. 4, 274 mit einem Hymnus auf Lebuin; der Brief des Petrus vonCambrai an Hucbald Migne 132, 875; der des Odilo von Soissons Migne 132, 627 (vorherdie Translatio s. Sebastiani et s. Gregorii, 7 ) dann drei Predigten auf den hl. Medardus; dort632 eine Schrift an Ingram über die Ankunft von Reliquien).

') Migne 132, 860 A rogo ne nostrumnomen in hoc opere sentiatur.

2 ) Und zwar aus s. XI —XIT, vgl. Anal.Bolland. 24, 468 N. 24.

3 ) PL. 4, 274 Vs. 7 Cuius ob aaspiciumfecit, quod fecit, id ipsum.

4 ) Vgl. PL. 4, 169 N. 5 (Aufschrift) undVs. 60 f.

5 ) Vgl.W. Kentzler. Forsch, z. deutsch.

Gesch. 6, 343 ff.

6 ) C. 15 (Migne 132, 891) ist ille gut estigneus fons animarum ausPrudentius(Cathem.10, 1) genommen.

') Sie ist deshalb merkwürdig, weil Odiloim Vorwort an Ingram eine längere Anfüh-rung ans den sog. Ann. Einharti macht, alsderen Verfasser er Einhart nennt, vgl. MG.SS. 15, 379 (= Migne 132, 581 B).