590 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Erster Teil.
Anthologie (736) anlehnte. Endlich ist zu erwähnen, daß er bei seinem Tode— er starb 930 und soll neunzig Jahre alt geworden sein —■ seinem KlosterSt. Amand achtzehn Bücher vermachte, 1 ) die sich heute noch teilweise inder Bibliothek zu Valenciennes befinden; es sind darunter einige Hand-schriften der Väter, aber die Mehrzahl der Werke stammt aus dem Alter-tum, nämlich Plato, 2 ) Martian, Eutrop, Marius Victorinus, Marius Plotius,Seneca, 3 ) Vergil, Priscian und Theodorus Priscianus; von Neueren erscheinenAlchvine und Hraban. Hieraus erhellt die Hauptrichtung des Geistes vonHucbald, sie war mehr dem aus dem Altertum überlieferten Wissen alsden Kirchenvätern zugewandt.
Zeugnisse. Das Geburtsjahr ergibt sich aus dem Todesjahr 930 und dem Alter von90 Jahren, s. Desilve. De schola Elnon. p. 98, wo n. 6 zu VIII Kai. Oct. 880 die Priester-weihe bezeugt wird. Schüler Heirics nach Ademar von Chabannais Hist. 3, 35 (MG. SS. 7,119)Heiricus Remigium et JJcbaldum Calvum monachos Jieredes philosophiäe reliquit (nach Gaut-berti grammaticorum äiadqxy, hrsg. v. L. Müller, Rhein. Mus. 22. 634 ff.) Verhältnis zu Milo 4 )s. Hucbalds Gedicht an Karl Vs. 27 (PL. 3, 611) Milo poeta tuus noster didascalus idem,35 Sed prius älgentcs quam vita relinqueret artus, Iusserat ista mihi pignora cara dedi(nämlich De sobrietate). Zu Barths Erdichtung der Widmung der Ecloga de calvis an Karls. v.Winterfeld, PL.4,264 und 271 (krit.Apparat), wo auch p.271 die in keiner Hs. stehendeangebliche Widmung an Karl abgedruckt ist. Zum Aufenthalt in Sithiu und zur Zeit vgl.Cartulaire de l'abbaye de St. Bertin ed. M. Guerard p. 131 N. 65 (28. März 889) qualiter di-lectus confrater noster Hucbaldus ex cenobio almi pontiftcis Christi Amandi confessoria aderndiendum domnum abbatem Rodulfum seniorem nostrum concedente ac praecipiente Gauzlinoeiusdem loci abbate otnnibusque illius sanctae congregationis fratribus consentientibus desti-natus; p. 131 N. 64 erhält Hucbald ein Landgut vom Abte (= Folcwini Gesta abb. S. BertiniSithiens. 94, MG. SS. 13, 623) Eodem anno idem abbas Rodulfus concessit per prestariam Huc-baldo monacho coenobii s. Amandi villam monasterii sui in pago Vermandinense noncupanteHildini-curtem cum villiilis ad eam pertinentibus. Zu Fulco und dem Zustand der RheimserSchulen s. Flodoardi hist. Rem. eccl. 4, 9 (MG. SS. 13,574, 39) Folco . .. amore quoque sapientiaefervens duas scolas Remis, canonicorum scilicet loci atque ruralium clericorum, iam penedelapsas restituit et evocato Remigio Autisiodorense magistro . .. Sed et Hucbaldum s. Amandimonachum virum quoque disciplinis sophicis nobiliter eruditum accersivit et ecclesiam Re-mensempreclaris illustravit doctrinis. Vgl.Dümmler, Neues Archiv 4, 560 und Jul.Desilve,De schola Elnonensi sancti Amandi a saeculo IX ad XII usque (Lovanii 1890) p. 93—99. ZumTod Hucbalds vgl. Annal. Elnon. mai. (MG. SS. 5, 15) 930 Obiit Hucboldus philosophus. SeinEpitaph sowie ein zweites, in dem zugleich Milo erwähnt wird, im Paris. 2093 (aus St. Amand)hrsg. von Traube, PL. 3, 679 N. 9 und 10; anderes Epitaph im Cantabrig. univ. 1794 s. XII,hrsg. von Mabillon, Ann. ord. Ben. 3, 692.
Gedichte. 6 ) Die Ecloga de calvis widmete Hucbald mit vierund-fünfzig Hexametern dem Hatto von Mainz; in diesen gedenkt er in An-lehnung an Milos Gedicht an Karl (PL. 3, 612 N. 2) mehrerer Dichter, diewegen ihrer Kunst von Fürsten geschätzt worden waren: ihm sei es genug.Hatto zu kennen und von ihm gekannt zu werden. Schon in dieser Widmungmacht er Vs. 36 f. von der Alliteration Gebrauch, die er dem Buchstaben Czuliebe — seine Bedeutung läßt er in Vs. 39 ff. hervortreten — in der Ekloge b )ganz durchführt. Das Gedicht will zunächst die Bedeutung der Kahlköpfe
') Sie sind nach der Bemerkung des Bi-bliothekars (s. Desilve, De schola Elnon.p. 155) wohl von Hucbald selbst geschrieben.
2 ) Natürlich in Chalcidius' Bearbeitung.
3 ) Nämlich die Proverbia und der sonsthöchst selten genannte Ludus de morte Neronis(mit Marius Plotius heute im Valentian. 393;Marius Plotius wird in alten Katalogen nurnoch zu Cluni und Anchin genannt).
4 ) Daß Hucbald sein Neffe war, sagt Gun-
ter in der Transl. S. Cyrici (Acta SS. Iun. 3,34)Milo qui sub alis scholarum nepotem suumfovebat Hucbaldum liberalium artium emoht-mento.
5 ) Zur Widmung von Milos De sobrietatean Karl den Kahlen vgl. unter Milo.
6 ) Eine Ekloge ist das Gedicht gar nicht,es besitzt nur den häufig angewendeten Kehr-vers Carmina clarisonac calvis cantate camenae.