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Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Erster Teil.
auf Unvollständigkeit geschlossen und eine nicht zur Ars gehörige Notiz als deren Endeangesehen hatten.
Zu den Quellen des Werkes vgl. Roger p. XII und dessen Anmerkungenunter dem Text der Ausgabe. Danach sind dem Malsachan bekannt Priscian,Donat und seine Erklärer Pompeius, Servius und Sergius, Consentius, 1 )Eutyches, Charisius (unter Flavians Namen zitiert), Diomedes, Probus ineiner von der heutigen abweichenden Gestalt, 2 ) das Schriftchen Capers,Virgilius Maro und Isidor (Differentiae und Etymologiae). 3 ) Außerdemkennt er auch Glossenliteratur, besonders scheint er das Glossar. Amplonianumsecundum zu benutzen, wie Roger p.XIIn.3 nachweist. Das günstige Urteilvon Haureau über Malsachan (Singularites historiques et litteraires p. 18f.)ist von Roger p. XIV ff. sehr eingeschränkt worden, zum Griechisch und zurKenntnis der Klassiker s. p. XIV, zur Sprache s. p. XV — XVII, zur Ortho-graphie s. p. XVIII — XX. Die Beobachtungen von Roger sind richtig undsachgemäß, und danach steht es fest, daß es mit der eignen grammatischenSchulung Malsachan s nicht besonders bestellt war und daß es ihm nurunter steter Benutzung älterer Quellen möglich gewesen ist, seine Ars zuschreiben.
Zwischen der Ars Malsachans und der seines Landsmannes Clemenssowie andrer karolingischer Grammatiker des 9. Jahrhunderts besteht eindurchgreifender Unterschied. Bei Malsachan fehlt nämlich jede Beziehungauf die Zeit. Wir finden bei ihm ziemlich magere Exzerpte aus einemgrößeren Quellenkomplex, aber der Autor nimmt sich nicht einmal dieMühe, die Namen der Dichter abzuschreiben, aus denen er nach seinenQuellen Verse anführt. Und abgesehen von einigen wenigen Bibelstellen(Roger p. 76) gibt er nichts aus der eigentlich christlichen Literatur, so daßfast alles ein anscheinend antikes Gepräge trägt. Von der praktischenMethode der meisten andern karolingischen Grammatiker, auch ihre Zeitzu Worte kommen zu lassen, macht er keinen Gebrauch, und so ist manchesbei ihm recht dürftig ausgefallen. Er beginnt mit der Definition und derEtymologie des Verbalbegriffs und behandelt dann die sieben Accidentia,die Qualitas, die Modi, das Genus, den Numerus, die Figuren, Zeiten undPersonen, um hierauf die Konjugationen ausführlich zu besprechen (p. 18—46ed. Roger). Hieran schließt er die anomalen Verba (er nennt sie Verbacorrupta) und die Defectiva, Verba mit gleichen Perfektformen und Verbamit verschiedenartiger Perfektbildung. 4 ) Dann kommen kurze Abschnitteüber die Verschiedenheit der Konjugationen, über Ähnlichkeit von Verba undNomina, über Verba, die nach verschiedenen Konjugationen flektiert werden,über Eigentümlichkeiten der früheren Zeiten, 6 ) über verschiedene Wort-
M Vgl. Keil, GL. 5, 332.
2 ) Vgl. p. 51,1 die Anmerkung Rogersund p. XII n. 2. Auch der Verfasser der Arsgrammaticaim Bern. 123 (Hagen, Anecd.Holv.128, 5) kennt Probus in anderer Gestalt.
3 ) Auch der Beginn des Abschnittes Deethimologia (p. 2.15 f.) stammt aus Isidor (Et.1,8,1).
4 ) Hier werden aus den betreffendenStücken von Diomedes, Charisius und Pris-
cian völlig ungebräuchliche Formen ans Lichtgebracht, die durch schlechte Orthographiezuweilen fast unverständlich sind, s. p. 59.16purgeö purxi et purst statt porceo, cf. Charis.bei Keil, GL. 1,244.17.
6 ) Hier legt Roger p. 67,5 ff. die Gleich-heit mit dem Exzerpt aus Lavant. 24 s. IX(Keil, GL. 5, 326,1—6) dar. Auch die Ueber-schrift De consuetudine antiquitatis geht aufdies Exzerpt aus Probus zurück, vgl. p. 325,25.