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Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Erster Teil.
von Bobbio. In diesem bilden nämlich die von Boniprand geschenktenBücher eine eigne Abteilung, die fast am Schluß des Kataloges steht. 1 )Irische Abstammung des Werkes — von irischer Schrift meldet Sabbadininichts — ergibt sich vielleicht aus den von Sabbadini S. 168 abgedrucktenWorten von f. 8 und aus der eigentümlichen Latinität des Werkes, das hierallerdings nicht im Original, sondern in Abschrift vorliegt. Der Verfasserwar ein Geistlicher, das geht aus der Verlegung von Donats Ars in dieZeit des Papstes Liberius (f. 1) hervor, s. Sabbadini S.168. 2 ) Der Eingangdes Werkes (S. 167. 169) beweist, daß die Erklärung sehr ausführlich undwortreich, aber auch in gespreizter und eigentümlicher Form geschriebenist, die allerdings von der Diktion fränkischer Grammatiker in der Karolinger-zeit wesentlich abweicht. Besondere Anspielungen auf die Entstehungszeitlassen sich aus den mitgeteilten Proben nicht entnehmen, und es würdedaher erst eine genaue Untersuchung der Quellen zu einer gewissen Sicher-heit in der Zeitfrage gelangen lassen. Den Anfang in der Heraushebungder wichtigsten Quellen hat Sabbadini- S. 170—184 schon gemacht, und dazeigt sich, daß diese mit wenigen Ausnahmen in der Bibliothek von Bobbiovorhanden waren, womit natürlich ein gültiger Schluß auf den Entstehungs-ort noch nicht gegeben ist. Die Quellen des Kommentars sind für dieÜberlieferungsgeschichte der grammatischen Literatur wichtig. Besondersscheint sich das Werk auf die Donaterklärer Pompeius, Sergius und Serviuszu stützen; letzterer ist mit einer unbekannten Stelle vertreten, die sonstnur bei Laurentius ValJa erscheint. 3 ) Außerdem werdenDiomedes, Charisius,Flavianus und Probus zitiert. Bedeutsamer ist die Kenntnis des auch inder Ars des Bern. 123 und bei Sedulius Scottus erscheinenden sog. ClaudiusSacerdos, der im Katalog von Bobbio 1493 erwähnt wird, sowie die Be-nutzung des Consentius, den Malsachan, Cruindmelus und Clemens Scottus,also ebenfalls Iren, kennen. Von großem Interesse würde die Kenntnis desCledonius sein, dessen Werk weder bei den Grammatikern noch in altenKatalogen angeführt wird; ob aber die p. 172 ausgehobene Stelle beweisendist, dürfte zweifelhaft erscheinen. Endlich aber gewinnen wir aus dem WerkeKenntnis von zwei fast unbekannten grammatischen Schriften. Nämlichf. 122b und 123b werden Stellen aus dem Donatkommentar eines Neposangeführt, der sonst nur De chibiis nominibus (Keil, GL. 5) 576,12 angeführtwird. 4 ) Und f. 14 und 16 erscheint ein Grammatiker Hieronimus, 5 ) der gleich-falls den Donat kommentiert hat; freilich ist er nicht so unbekannt, wieSabbadini p. 170 meint, denn sein Werk befand sich im 11. Jahrhundert inBobbio, Gorze und Toul und wird 1137 von Berthold von Zwifalten erwähnt.Eine weitere Kenntnis dieses Kommentars ist mir allerdings noch nicht
') Vgl.Becker, Catal. bibl. ant. p.73 (32.641 — 643 De libris Boniprandi). Danach kannder Katalog erst im H. Jahrh. abgefaßt sein.Da der Donatkommentar unter den BüchernBoniprands fehlt, so ist er erst ein wenigspäter in die Bibliothek von Bobbio gekommen.
2 ) Außerdem aus dem Ausdruck (f. 1 p. 167)hoc est seguentis artis clavis, da clavis in dieserBedeutung nach Luc. 11, 52 nur bei Kirchen-schriftstellern begegnet.
3 ) Wie ja auch in der Ars des Bern. 123unbekannte Stellen aus Sergius angeführtwerden.
*) Sabbadini p. 171 weist mitRecht dar-auf hin, daß diese Stelle nicht aus CorneliusNepos, sondern aus dem Grammatiker stammt.
5 ) Nur in Gorze (s. Rev. Bened. 22,10,213adn.) erscheint der Kirchenvater als Verfasser,doch ist prbi nachträglich eingefügt.