Druckschrift 
1 (1911) Von Justinian bis zur Mitte des zehnten Jahrhunderts : mit Index
Entstehung
Seite
438
Einzelbild herunterladen
 

438 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Erster Teil.

Auf ganz ähnlicher Grundlage beruht die zweite Schrift Libellus indefensionem Stephani episcopi, der wegen des Überganges von einem Bistumzum andern angegriffen wurde und 907 gestorben war. Zur Verteidigungdieses ihm im Leben unbedingt befreundeten Mannes ergriff Auxilius nachVollendung seiner ersten Schrift die Feder und suchte den Toten durchausführliche Darstellung seiner Lebensschicksale zu rechtfertigen. Um dieserApologie größere Kraft zu verleihen, stellte er an ihr Ende den schon er-wähnten Brief der Beneventaner Kleriker Rodelgrimus und Guiselgardus,die sich in diesem kurzen Schriftstück gleichfalls scharf und ohne Rückhaltfür die Rechtmäßigkeit von Stephans Episkopat aussprechen.

Die dritte Schrift betitelt sich De ordinationibus a Formoso papa factisund ist etwa im Jahre 911 verfaßt. Der Verfasser erbringt in ihr nichtsNeues, sondern sucht wieder die Gesetzmäßigkeit des Pontifikats und derWeihen des Formosus nachdrücklichst zu erweisen, indem er sich auf eineMenge älterer Autoritäten stützt und manches Frühere wiederholt.

Aber auch hiermit glaubte Auxilius noch nicht genug getan zu haben,denn bald darauf hat er eine vierte Schrift ausgehen lassen, die er Infensoret defensor betitelte. Sie ist verfaßt auf den Wunsch des Bischofs Leovon Nola und verteidigt in Form eines Dialogs zwischen Ankläger undVerteidiger die Gesetzmäßigkeit von Formosus' Weihen. Die als Praefatiun-cula bezeichnete Interrogatio et responsio, die der Schrift vorangestellt ist,scheint aber nicht zu ihr zu gehören, sondern das im Brief an Leo er-wähnte Opusculum 1 ) zu sein.

Der Ton aller dieser Schriften ist klangvoll und besitzt stellenweise

lebendigen Schwung, freilich kann nicht geleugnet werden, daß sie wegen

der übermäßigen Wiederholungen und infolge des häufigen rhetorischen

Pathos oft ermüdend wirken. Ohne Zweifel schreibt Auxilius besser als

Vulgarius, er verzichtet auch fast ganz auf dessen oft übel angebrachte

Gelehrsamkeit. So bringt er fast nur sachliche Anführungen, und nur selten

mischt sich ein Zitat aus Vergil oder den Disticha Catonis und Prosper in

seine Darstellung. Geschichtlich sind seine Schriften wertvoll, besonders

die erste, an deren Schluß er außerdem einen Abriß der Papstgeschichte

von Marinus bis auf Sergius gestellt hat. Jedenfalls sind die Streitschriften

wichtige Dokumente in dieser literarisch so armen Zeit Italiens.

Zeugnisse. Zur Abkunft s.Inf. et Def. 1 (Mabillon p. 41 B) Mihi autem qui de longin-quis terrarum spatiis ad apostolorum limina profectus sunt et sacram Ordinationem . . . ac-cepi, i ) 30 p. 50 B Porro mim sis hämo exterae gentis und In defens. sacrae ordin. papae Form.2,8 p. 88 (Dum ml er) ad instar lanifici instrumenta quod a volvendo vindile appellatur, vgl.Dümmler p. 31 und n. 3. Weihe durch Formosus s. Defens. s. ord. 1, 9 p. 70 (Diimmler)Nobis autem qui . . . ab eins vicario consecrationem, ut consuetudinis est, accepimus, offteerenullatenus debet. Die Beziehungen zu Stephan ergeben sich aus dem Libellus in defens.Stephani episcopi (ed. Dümmler S. 96105), zu Leo aus der Widmung des Infensor et de-fensor an diesen Bischof (den Brief an Leo s. Mabillon p. 40 B) und zum Archidiakon Petrusdurch die Nennung dieses Klerikers als Gewährsmann In defens. 1, 4 p. 64 (Dümmler) Haecmihi Petrus venerabilis archidiaconus sanetae Neapolitanae ecclesiae, qui tunc interfuit, seria-tim retulit. Die Datierung der ersten Schrift auf 908 ergibt sich aus dem ihr angehängten

: ) Mabillon, Vet.anal.p.40B Mist quod In def. sacrae ordin. papae Formosi 1, 9 p.70

iam in opusculo eiusmodi altercationis causa- (Dümmler), die im Inf. et def. abgeschrie-

tus sum. ben ist.

2 ) Hiermit fast gleichlautend eine Stelle