304 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Erster Teil.
Fortunats und die Mensuratio orbis. Bei Hildvin von St. Denis bedankter sich mit tiefer Ergebenheit für den ihm geleisteten Dienst. An Agobardvon Lyon schreibt er, daß er ihn gern persönlich aufsuchen möchte, umdabei die neue Geistesblüte, die sich in Florus erschlossen habe, kennenzu lernen. An Abt Sigimar von Murbach 1 ) hat er mit kurzer Widmungwohl Dichtwerke übersendet, mit dem Bemerken, daß er Äbte kenne, diean solchen Werken kein Interesse hätten. Bei seinem früheren MitschülerGodescalc, der ebenfalls in Fulda Mönch geworden, aber zu Mainz imJuni 829 von seinem Gelübde losgesprochen worden war, bedankt er sichfür Gedichte, die ihm dieser geschickt, und versichert ihn seiner unwandel-baren Freundschaft. 2 ) Aber auch an den königlichen Knaben, seinenSchüler Karl richtet Walahfrid eine poetische Zuschrift, nämlich (N. 28)ein Ermahnungsgedicht, dem Vater in der Frömmigkeit nachzufolgen. Undauch später gab Walahfrid seine Verbindung mit der kaiserlichen Familienicht auf, sowohl Kaiser Lothar wie Ludwig den Deutschen begrüßteer mit einem Gedicht, letzteren allerdings in der Person des PresbytersPaldman.
Das bedeutendste dichterische Denkmal aber aus seiner Zeit am Hofehat Walahfrid in einem sehr merkwürdigen Gedicht hinterlassen, das erüber die Reiterstatue König Theoderichs des Großen schrieb, die auf Be-fehl Karls im Jahr 801 von Ravenna nach Aachen gebracht und vor derkaiserlichen Pfalz aufgestellt worden war. Es handelt sich dabei wohl umein Kunstwerk aus etwas älterer Zeit, das zu Ehren Theoderichs umgestaltetworden war. Das Standbild des Arianers erregte bei den katholischenFranken religiöses Ärgernis und dem gab Walahfrid ungescheut Ausdruckin einem längeren Gedichte, das er in ein Zwiegespräch mit seinem eignenGenius eingekleidet hat und in dem er im Gegensatz zu dem verhaßtenArianer der kaiserlichen Familie und einiger hervorragenden Persönlich-keiten am Hofe eingehend gedenkt (s. unten).
In dieser Umgebung blieb Walahfrid bis 838, als die Erziehung seinesSchülers beendet war, dann erhielt er zum Danke die Abtei Reichenau.Als er dann nach Ludwigs Tode sich offen für.Lothar erklärte, wurde ervon Ludwig dem Deutschen vertrieben UDd fand in Speier Unterkunft, vonwo er dem Kaiser in einem längeren Gedichte sein Leid klagte. Vielleichthat er von Speier aus auch Murbach [besucht, wo er wohl die Katalogi-sierung der Bücher anregte; später verlieh er Reichenauer Handschriftennach Murbach und dort wurde vielleicht auf seinen Wunsch das Desideraten-verzeichnis angelegt. Er erhielt 842 nach Besiegung Lothars von Ludwigseine Abtei zurück, schon sieben Jahre später starb er, auf einer Gesandt-schaftsreise an König Karl begriffen, in Westfranken am 18. August 849.
') Ueber spätere Beziehungen zu Mur- | er ja auch von Hraban benutzt wurde. Zweibach, die für die dortige Bibliothek wichtig ; Hss. des Justin im Katalog von Fulda s. XVI,
wurden, s. v. Winterfeld, Neues Archiv27, 528.
2 ) Er tut dies mit Hinweis auf das Gegen-teil bei König Philipp nach Justin 8, 3 und9, 8; Justin war ihm aus Fulda bekannt, wo
s. Beih. z. Zentralbl. f. Biblw. 26, 105 Rep. 9Ord. 2,1 und 3,1. Vgl. außerdem (Liutprand?)bei Mign e 136,1162 §200. In denReichenauerKatalogen s. IX fehlt Justin.