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Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Erster Teil.
als Randnoten zu einigen echt isidorischen Kapiteln verfaßt habe. Die
Entstehungszeit der dem Isidor angehörigen Teile fällt zwischen 616 und
618 (Schütte S. 147) und als Quellen haben hauptsächlich die Werke der
besprochenen Schriftsteller selbst gedient; über Weiteres s. Dzialowski
S. 103 f. 1 ) Die Benutzung der Quellen ist keineswegs einwandfrei, sie ist
unselbständig und flüchtig. Aber auch so ist die Schrift von nicht geringem
Werte, da sie manche Nachrichten allein besitzt. Und indem Isidor das
Beispiel einer größeren Fortsetzung seiner Vorgänger gab, wirkte er ohne
Zweifel auf Ildefons ein und hat damit zur mittelalterlichen Fortsetzung
der christlichen Literaturgeschichte die Veranlassung gegeben. 2 ) Über
Quellenbenutzung und Wert der Schrift s. Dzialowski S. 104—122.
Die Ueberlieferung des Werkes ist eine mannigfaltige. Nur die älteste Hs. Escorial.J. IL 10 gibt das Werk Isidors allein. Die älteren Hss. besitzen nur wenig von den obenerwähnten zwölf Kapiteln und anscheinend nur jüngere überliefern sie vollständig. A. Hss.der kürzeren Fassung: Escorial. J. II. 10 s. XVIII aus einer Leoner Hs. des J. 820 ab-geschrieben, Escorial. d. I. 2 a. 976 und d. I. 1 a. 992. Vat. Reg. 551 s. XII—XIII. Barberin.XI, 193 s. XII. Casin. 294 s. XL Bern. 289 s. IX. B. Längere Fassung: Matrit. H. h. 96 s. XV.Vat. Urb. 382 s. XV. Ottobon. 1720 s. XV—XVI. Vat. Reg. 349 s. XVI u. a., vgl. DzialowskiS. 88—95. Eine kritische Ausgabe fehlt, den Text von Arevalo VII, 138—164 druckte Dzia-lowski S. 3—80 ab, mit wertvollen Nachweisen und Zeugnissen. Schütte S. 147—149macht wahrscheinlich, daß die Arbeit des Pontianus mit der Isidors erst im 15. Jahrh. ver-einigt wurde.
Die geschichtlichen Werke Isidors sind seine Chronica maiora, dieHistoriae und die Chronica minora.
Die Chronica maiora betitelt der Verfasser eine Weltchronik, die imAnschluß an Julius Africanus, Eusebius-Hieronymus und Victor Tonnennensisgearbeitet ist. Isidor nahm hier den Gedanken Augustins von den sechsWeltaltern 3 ) auf, welche den Schöpfungstagen entsprechen; nach ihnen istdie Chronik eingeteilt. 4 ) Braulio äußert sich (Dzialowski S. 141) Chronicoruma principio mundi usque ad tempus suum librum itnum nimia brevitatecollectum. Der Titel Breviarium temporum ist falsch. Das Werk, das diewichtigsten Begebenheiten kurz registriert, ist im Jahr 615 (5. Jahr desHeraklius, 4. Jahr Sisebuts) zuerst, und vielleicht 624 zum zweitenmalherausgegeben und entnimmt seinen Bericht fast ganz aus sonst bekanntenQuellen, 5 ) so daß es nur untergeordneten Wert besitzt. Die Quellen sind jHieronymus, Prosper, Victor Tonnennensis, Johannes Biclarensis, Eusebiushist. eccl., Hydatius, Augustin civ. dei, Hist. tripartita, außerdem Plinius,Josephus, Justin, Eutrop, Hufius Festus, der Libellus de viris illustribus(über Kleopatra). Aus dem Werke exzerpierte Isidor eine kürzere Fassungfür seine Etymologiae. 6 )
1 ) Zusammenstellung der Quellen S. 123.Bemerkenswert ist, daß in c. 28 ein Zitat ausCic. Brut. 13, 50 eingeflochten wird, ohne daßIsidor den Autor nennt (ut ait quidam), s.Dzialowski S. 51 f.
2 ) So beruft sich der Anon. Mellicensis(Ausg. von Ettlinger S. 41) auf Isidor, ohnedessen Werk selbst zu kennen. Honorius Au-gustodunensis (ed. Miraeus, Bibl. eccl. 107)kennt und benutzt ihn, wie er in der Vor-rede sagt.
3 ) Siehe Ebert 1,233ff.
4 ) Ebert 1,599. Hertzberg, Forsch, z.deutsch. Gesch. 15, 289. Diese Einteilung istspäter durch Beda wiederholt und allgemeingeworden.
5 ) Siehe hierüber Hertzberg, Forsch.S. 330 (unvollständig) und M o m m s e n S. 394 f.
6 ) Im cod. Caesen. Malat. plut. 21 cod. 5s. IX ist die große Chronik statt des Aus-zuges in die Etymologien aufgenommen.