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TAFEL X.
ÄUGSBURGER GEBET.
Cod. lat. 3851 (Aug. eccl. 151) enthält der Hauptsache nach Bussbücher.Diesen ist auf der Vorderseite des jetzigen ersten Blattes ein altes lateinischesGebet mit möglichst getreuer deutscher Übersetzung in 4 gereimten Langzeilen voran-gestellt, das noch jetzt im Brevier an die Allerheiligenlitanei sich anschliesst undam St. Marcustage wie an den drei Bittagen in der Himmelfahrtswoche zur Liturgiebei den Prozessionen gehört. Die Benennung „Augsburger Gebet" erhielt es des-halb, weil es in einer Handschrift überliefert ist, die aus der Domstiftsbibliothek inAugsburg an ihren jetzigen Aufbewahrungsort gekommen ist. Dass die Handschriftnicht in Augsburg geschrieben worden ist, ergibt sich aus der Mundart des Gebetessowie aus einer Bemerkung auf Blatt 74 *, die nach Böhmer in Westfranken kurznach 882 niedergeschrieben worden ist. Beides weist auf eine rheinfränkischeHeimat des Denkmals wie der Handschrift hin. Die Zeit der Abfassung der beidenTexte ist unsicher; für den deutschen nimmt Kögel das Ende des IX. Jahrhundertsan. Über das Alter der Handschrift gehen die Meinungen auseinander. Meistwird die Entstehung nicht später als die Wende des IX. zum X. Jahrhundert an-gesetzt, nur Steinmeyer tritt für die Wende des X. zum XI. Jahrhundert ein.
Schmeller hat das Stück aufgefunden und 1833 veröffentlicht.
Vgl. Schmeller im Anzeiger für die Kunde des deutschen Mittelalters II 1833,Sp. 176. — Böhmer im Archiv der Gesellschaft für ältere deutsche Geschichts-kunde VII 1839, S. 808—810. — Müllenhoff-Scherer 3 , Nr. XIV. — Pauls Grund-riss* II, 1, S. 124. — Kögel I, 2, S. 110. — Kelle I, S. 187.