Druckschrift 
1 (1910) Althochdeutsche Schriftdenkmäler des IX. bis XI. Jahrhunderts
Entstehung
Einzelbild herunterladen
 

TAFEL VIII.

OTFRID (schluss) und

GEBET DES SIGIHÄRT.

Cod. germ. 14 enthält das Evangelienbuch, das Otfrid als Mönch des Klosters Weißen-burg im Elsaß gegen 870 verfaßte. Älter und Herkunft der Handschrift ergeben sich aus derSchlußschrift des Schreibers, des Freisinger Priesters Sigihart. Der darin genannte Waldo warBischof von Freising 884906. Die Vorlage, höchst wahrscheinlich die jetzt in Wien befind-liche Handschrift, verdankte er wohl seinem Freunde Erzbischof Hatto von Mainz, seit 902,auch Abt des Klosters Weißenburg. Die Arbeit Sigiharts dürfte in die Jahre 902905 fallen;von ihm ist wohl auch das kurze Gebet aus zwei zweizeiligen Strophen zusammengestelltdas am Schluß des Evangelienbuchs angefügt ist.

Auf die Handschrift machte zuerst aufmerksam Beatus Rhenanus in seinen Libri IIIrerum Qermanicarum 1531, S. 106. Er fand sie in der Dombibliothek zu Freising und dortlag sie, wie wir aus mehrfachen Erwähnungen wissen, bis sie bei der Säkularisation 1803nach München an ihren jetzigen Aufbewahrungsort gelangte; vgl. Aretins Beiträge 2 1804,5, S. 91. 1831 benützte sie Graff zu seiner ersten kritischen Ausgabe des Gedichts.

Vgl. die Ausgaben von Kelle I 1856, S. 99 ff. und II 1869, S. XIII ff., Piper I 1878,S. 204 ff. und Erdmann 1882, S. LI ff.; ferner Müllenhoff-Scherer 3 Nr. XV. Pauls Grund-riss 2 II, 1, S. 112 ff. und S. 124. Kögel I, 2, S. 21 f. und S. 111. - Kelle, Literaturgeschichte I,S. 179 ff. Facsimile bei Enneccerus Nr. 44.