THFEL VII.
HELIÄND.
Cod. germ. 25 (= Cim. 23) enthält, von einem einzigen Schreiber geschrieben, dieälteste fast vollständige Niederschrift der altsächsischen Evangelienharmonie, die bald nach822 von einem schon vorher als Sänger epischer Lieder berühmten Mönche des KlostersWerden verfasst ist und seit Schmellers Ausgabe als „Heliand" bezeichnet wird. Aufgefundenwurde die Handschrift erst 1794 von Gerard Gley in der Bibliothek des Domkapitels zuBamberg, von wo sie 1804 durch die Säkularisation nach München gelangte. Dass sie früherder Privatbibliothek der sächsischen Kaiser angehört habe, lässt sich durch nichts beweisen.Das Wappen Heinrichs IL, das Kögel auf dem Einbanddeckel zu sehen glaubte und für dieseAnnahme anführen wollte, ist in Wirklichkeit eine Darstellung des thronenden Kaisers in demSuper-Exlibris des Domkapitels; es ist erst 1611 auf den festen weissen Ledereinband auf-geprägt worden, und dieser Einband selbst stammt aus derselben Zeit oder höchstens aus demXVI. Jahrhundert. Wo die Handschrift entstanden ist, lässt sich nicht feststellen; doch ver-mutet Heyne in Münster.
Vgl. Schmeller, Heliand. 1830/1840 (zeilengetreuer Abdruck der Münchener Hand-schrift); ferner die Heliand-Ausgaben von Sievers 1878, S. XI — XII und von Piper 1897, I,S. XXXVII— XLIV; ausserdem Pauls Grundriss 2 II, 1, S. 96ff. — Kögel I, 1, S. 281. —Kelle I, S. 115 f. — Facsimile-Proben bei Schmeller a. a. O. und in mehreren anderen Werken.