Druckschrift 
1 (1910) Althochdeutsche Schriftdenkmäler des IX. bis XI. Jahrhunderts
Entstehung
Einzelbild herunterladen
 

THFEL I.

DAS WESSOBRUNNER GEBET.

Cod. lat. 22053 (Wessobr. 53 = Cim. 20) ist eine Sammelhandschrift, deren Bl. 65v66""das zuerst 1721 von Pez veröffentlichte Wessobrunner Gebet enthält. Das Gebet ist vermutlichsächsischen Ursprungs, wahrscheinlich bald nach 772 im Zusammenhange mit dem Bekehrungs-werke Karls des Grossen verfasst; es ist in die erhaltene Handschrift von einem bayrischenSchreiber eingetragen worden, der Bl. 2266 nach einer Vorlage ziemlich sorgfältig geschriebenhat. Huf Bl. 66v wurde nachträglich von einer anderen Hand eine Urkunde eingetragen, diezwischen 788 und 800 abgefasst worden ist. Da ferner der dem Gebete vorangehende Teilder Handschrift, den Konrad Hofmann unter dem TitelMetrologisches und Geographischesaus dem Wessobrunner Codex" in der Germania 1857, II, 88 ff. veröffentlicht hat, noch unterTassilo verfasst worden sein muss, so ist die Wahrscheinlichkeit sehr gross, dass die Hand-schrift noch ins Ende des VIII. Jahrhunderts zu setzen ist, spätestens jedenfalls ganz in denAnfang des IX. Jahrhunderts.

Vgl. Pez, Thesaurus anecdotorum I, Sp. 417. Brüder Grimm, das Lied von Hildebrandund Hadubrand und das Weissenbrunner Gebet zum ersten Male in ihrem Metrum dargestellt1812. Müllenhoff-Scherer 3 Nr. I. Gessert im Serapeum 1841, II, S. 1 ff. Pauls Grundriss*II, 1, S. 89 ff. Kögel I, 1, S. 269 ff. Kelle I, S. 74 ff. Facsimile bei Enneccerus Nr. 9/10und in verschiedenen anderen Werken.