den Jahren
1875—8SItalien.
In den Jahren
1852—88Artena.
9.38
57
34,17
205
3.67
113.75
■47.36
177
— 176 —
und hier an Intonsivität gewonnen habe, was es an Extensivitäteingebüsst.
Die Schwere der Krankheit lässt sich aus folgender statistischenTabelle ersehen:
Zahl der jährlich vorkommendenDelikte (auf je 100 000 Einwohner)
Delikte
Totschlag, Mord und Raubmord . . .
Körperverletzung........
Strassenraub..........
Einfacher u. qualifizierter Diebstahl
Artena zeichnet sich also durch eine sechsfach höhere Zahlder Totschläge, Morde und Raubmorde aus, als der Durchschnittin Italien beträgt (und Italien marschiert bez. der Verbrechen gegendie Person an der Spitze aller civilisierten Völker!) und hat einedreissigfach höhere Zahl für Strassenraub aufzuweisen als der Durch-schnitt in Italien. Und selbst diese Ziffern geben noch keinenrechten Begriff von der Wildheit und Verwegenheit der artenesischenVerbrecher. "Wenn man ein richtiges Bild davon entwerfen wollte,müsste man alle Verbrechen beschreiben, müsste zeigen, wie mansich daselbst am heitorhellen Tage und mitten auf dem Marktplatzermordet, wie man Zeugen, die vor Gericht der Wahrheit gemässauszusagen wagen, einfach aufknüpft! . . .
"Welches sind — so fragt sich Sighele — die Ursachendieser traurigen Erscheinung? Er hat verschiedene gefunden: vorallem den Charakter der Einwohner und den Einfluss der früherenRegierungen, jene selben Ursachen, die anderswo Brigantcntum undOamorra hervorriefen. Eine andere Ursache besteht in der Ohn-macht der Behörden, die Schuldigen zu treffen. Fast alle Prozesseder letzten Jahre endeten mit dem Befehle, die Sache nieder-zuschlagen. Die Zeugen, die entweder erkauft oder eingeschüchtertwaren, schwiegen hartnäckig, so konnte keine Beweisaufnahmedurchgeführt worden; wenn die Schuldigen aber einmal sehen, dassman sich um die Gerechtigkeit leicht herumdrücken kann, soschrecken sie vor nichts mehr zurück. Zum Glück hat der Prozess,der im Juni 1890 stattfand und mit 32 Verurteilungen (worunterzahlreiche Zuchthausstrafen) endete, dieser gefährlichen Straf-losigkeit ein Ende gemacht.
Die wichtigste Ursache aber ist die Erblichkeit. Sighelehat alle seit 1852 gegen die Bewohner von Artena angestrengtonProzesse studiert und ist dabei immer wieder auf dieselben Namengestossen. Vater, Sohn und Enkel folgten sich in gemessenenZeitabständen, als ob sie von einer unentrinnbaren Macht getrieben