Druckschrift 
F. W. Schmidt's hinterlassene Forschungen über noch vorhandene Reste von den Militairstrassen, Befestigungen, Aquäducten etc. der Römer in den Rheinlanden
Entstehung
Seite
158
Einzelbild herunterladen
 

. 158

darauf geachtet, theils in hiesigen Gegenden nicht die all-gemein verbreitete irrige Vorstellung hätte, nach welcherman sich unter Römerstrassen breite und mit grossen Stein-platten gepflasterte Strassen denkt.

Ist es wohl denkbar, dass die Römer, die mit so grosserSorgfalt darauf bedacht waren, gebaute Strassen für ihreMilitair-Operationen in der ganzen Ausdehnung ihres weitenReiches anzulegen, und in dieser Hinsicht jedes Terrain-hinderniss zu überwinden wussten, längs dem Rheine,der mehrere Jahrhunderte hindurch, mit der grossen Anzahlder an ihm erbauten Festungen und Kastelle, die befestigteGrenzlinie gegen die Einfälle der Germanen bildete, keineMilitairstrasse zwischen Bingen und Coblenz und folglichkeine direkte Verbindung zwischen dem Ober- und Nieder-rheine gehabt haben sollten? und da sich keine Ueber-Feste einer solchen Strasse vorlinden, welche in nähereroder weiterer Entfernung mit dem Rhein parallel von Bingennach Coblenz geführt haben könnte 161 ), so kann die in demItinerar und auf der Peutingerschen Tafel angegebene nurin dem Rheinthale selbst gegangen sein 162 ).

161) Um zur vollen Gewissheit zu gelangen, ob eine römische Strasseparallel mit dem Eheine von Bingen nach Coblenz über denHunsrüeken existirt habe, hat der Verf. diese Gegend genauuntersucht und nirgends eine solche gefunden. Er richtetesein Augenmerk besonders auf die sogenannte KisselbacherStrasse, oder die alte Landstrasse, durch welche vor Anlegungder neuen Rheinchaussee die Verbindung zwischen Bingen undCoblenz stattfand. Diese alte, jetzt zum Theil ganz verwach-sene Strasse, welche von Bingen über Rheinböllen, Kisselbachund von da ununterbrochen auf der "Wasserscheide zwischen demRhein, der Nahe und der Mosel nach Coblenz ging, zeigt jedochnirgends Spuren römischer Konstruktion, wovon sich in dieserwenig angebauten und bewaldeten Gegend gewiss Ueberreste er-halten haben würden, wenn es eine Römerstrasse gewesen wäre.

A