IV
Eigenleben. Die römischen Colonien wurden unter demEinflüsse der alten Municipalverfassung im Mittelalter blühendeStädte.
So steigert sich während des Verfalles des römischenReiches am Rheine die locale Entwickelung. Trier, dieResidenz römischer Kaiser, ward der Vorort des Christen-thums, Cöln der Sitz fränkischer Könige, der Ausgangs-punkt des rheinischen Verkehrs und der kirchlichen Macht-entfaltung.
War und blieb somit das Leben der Römer am Rheineein vorherrschend militairisches, so muss eine besondereAufforderung für die dem einstigen Leben der Völker nach-spürende historische Wissenschaft darin liegen, es geradevon dieser Seite an der Hand der römischen Schriftstellerund unter steter Berücksichtigung der vorhandenen ResteT . <m Militairbauten, Heerstrassen und Canälen zu betrachten.Seit fast 20 Jahren ist die Thätigkeit unseres Vereins aufdie Erforschung des römischen Lebens am Rheine gerichtet,und sie hat auch in der angegebenen Beziehung wichtigeEinzelforschungen in unseren Jahrbüchern aufzuweisen. EineGesammtforschung über die militairische Organisation derRheinlande zur Zeit der römischen Herrschaft konnte indessennur von den Voraussetzungen eingehendster militairischerEinsicht und genauester Untersuchung des ganzen in Betrachtkommenden Terrains ausgehen. Die Forschungnn des k. pr.Oberstlieutenants Schmidt, die derselbe von 1828—1829 überdie von den Römern in den Rheinlanden {unterlassenenBefestigungen, Militairstrassen, Aquädukte etc. aus eigenemAntriebe unternommen, und wozu ihm damals der Chef desGeneralstabes der Armee gern die Bewilligung, jedoch mitder Weisung ertheilte, die Resultate davon höhern Ortslnitzuthcilcn, mussten somit von der Altertumsforschungfreudig begrüsst werden. Leider rief der Tod 1846 denunermüdlichen Forscher eher von binnen, als er selbst seine