Druckschrift 
Nachrichten über Thomas a Kempis : nebst einem Anhange von meistens noch ungedruckten Urkunden
Entstehung
Einzelbild herunterladen
 

169Martha's und Marien's, und von der Einsamkeit und demStillschweigen. Ein frommer Mann, der für weltliche Ge-schäfte keinen Sinn hatte, hatte das Amt eines Haushaltersin einer geistlichen Genossenschaft übernehmen müssen. Einguter Freund, (der kein anderer als er selbst ist) tröstet ihnund gibt ihm heilsame Rathschläge. Ueber das ihm zuge-wiesene, seiner Geistesrichtung durchaus unbehagliche Amtsucht er sich nämlich auf eine ächtchristliche, weit über dieStog erhabene Weise zu trösten, indem er Allem, was ihmin demselben begegnete, eine höhere Bedeutung abzugewinnenwußte. Da er nun endlich seines lästigen Dienstes entbun-den war, wünscht der nämliche Freund ihm Glück und er-theilt ihm Anleitung, wie er seine wiedergewonnene Mußewohl benutzen könne oder eigentlich: der Verfasser läßt seinerFreude sich, nach niedergelegtem Schaffneramte, wieder inseinem Lebenselemente, der Einsamkeit und Ueberhebung vonzeitlichen Sorgen und Geschäften, zu fühlen freies Spiel undgibt sich darüber Rechenschaft, wie dieses Glück zu benutzenist. So könnte man den Inhalt und die Genesis dieser bei-den Werke deuten und die Anwendung auf die Autorschaftdes Thomas liegt nahe. Zuerst fragt es sich: ob derselbewirklich Haushalter (procurator) seines Klosters gewesen ist.!)Niemand meldet es, als sein ungenannter Biograph.?) ImSt. Agnetenbergs Chronicon findet sich darüber nichts. Daindessen die Schaffnerstelle jedes Jahr wechseltes) und indieser Aufzeichnung die Namen ihrer Träger nur hie und dazufällig angegeben werden, so ist kein Grund die Nachrichtunseres Anonymus zu bezweifeln. Aus dem Style und nochmehr aus der Einleitung des zweiten*) dieser Werke schließenwir, daß sie aus derselben Feder geflossen sind. Soll alsoThomas a Kempis das Büchlein vom treuen Schaffner,als ihm dies Amt, das ihm herzlich zuwider war, überwiesenworden, zu seiner selbsteignen Erbauung verfaßt haben? DerGedanke dazu war ihm nicht fern. Die Gründe, deren ersich bedient, sind ihm nicht fremd. Er hat auch andereWerkchen zum eigenen Gebrauche geschrieben. Die Ansprache) Siehe oben XII. Seite 139.1) Vind. Komp Seite 104.3) Chron. wind. Seite 68.4) Seite 614 und Cap. 4 Seite 645;