Druckschrift 
Nachrichten über Thomas a Kempis : nebst einem Anhange von meistens noch ungedruckten Urkunden
Entstehung
Einzelbild herunterladen
 

150St. Martinsstifte in Löwen einen Zufluchtsort gesucht.Dorthin brachten sie mit andern Büchern, auch einen Codexin Octav=format, der nebst einigen andern Werken desThomas a Kempis auch die drei ersten Bücher von derNachfolge Christi enthielt. Auf der ersten Blattseite warvon einer andern Hand geschrieben zu lesen: Hic liberscriptus est manu ac caracteribus reverendi et religiosipatris Thomae a Kempis canonici regularis in montes. Agnetis prope Subollam, qui est author horum devo-torum libellorum. Die Flüchtlinge übergaben diesen kost-baren Schatz dem damaligen Prior des MartinsstiftesJohann Vliemer und bezeugten ihm zugleich von den ältestenMitgliedern ihrer Anstalt gehört zu haben: Thomas a Kem-pis habe, gemäß ununterbrochener Ueberlieferung, das Werkgeſchrieben.!) Hierauf bezieht ſich jene Aufſchrift. Wo die-ser Codex hingekommen und ob er noch vorhanden ist, warnicht zu ermitteln. Die neueren Forscher kennen ihn nurdurch die älteren.?) Nach dem, was wir über die Gegen-stände der Beschäftigung unseres Thomas und seiner Genos-sen wissen, 3) zu urtheilen, ist anzunehmen, daß noch manchevon seiner Hand abgeschriebenen Werke der Kirchenväter undandere damals häufig gebrauchte Bücher vorhanden seinmüssen. Andere mögen sie aufsuchen und namhaft machen!Leider werden die meisten Denkmäler seines Fleißes verlo-ren gegangen ſein.Soviel über die abschreiberische Thätigkeit unseresThomas. Nunmehr von den Werken, deren Verfasser erist. Sein Hauptwerk, das Werk, wodurch er seinen Namenunsterblich machte, sind unstreitig die vier Bücher von derNachfolge Christi. Die Frage ob er wirklich der Verfasserdieses Werkes ist, erfordert eine eigene Abhandlung undwir werden unten (XV.) darauf zurückkommen. Es gibtaber auch noch eine Menge anderer Werke und Werkchen,1) Casteel loc. cit. Euseb. Amort sent. Kemp. S. 32.2) S. Malou récherches u. s. w S 68. J. B. Weigl cit. führtdenselben gar nicht an.3) Vrgl. oben S. 6. Anm. 2.4) Auf seinen Fleiß und seine Geschicklichkeit im Schreiben legteThomas selbst hohen Werth. S. de imit. III. Cap. 31. Hort. ros.Cap. XIV. Vrgl. Solil. an. Cap. XXV. und oben S. 110.