141einer Brille zu bedienen brauchte.!) — Gefeiert ist auchseine Beredtsamkeit. Diese war so groß, daß oft aus ent-legenen Orten Leute kamen, um seine gottseligen Reden undsalbungsvollen Ermahnungen zu hören. Immer war er auchbereit zum Heile und zur Erbauung seiner Mitmenschen beizufälligen Gelegenheiten öffentlich zu reden. Doch that erdieses nie, ohne zuvor einige Zeit zum Ueberdenken seinesStoffes angewendet, oder wenn er müde war, sich durcheinen kurzen Schlaf erquickt zu haben.?) In der Kirche undbei Ausübung geistlicher Verrichtungen war er ganz Andacht.Wenn er sang, waren mit dem Herzen zugleich die Augengegen Himmel gerichtet. Nur mit den Füßen schien er dieErde zu berühren. Im Chore stand er immer aufrecht, niemit den Armen oder dem Rücken an die Sitze oder Wändeſich anlehnend. Beim täglichen und beim nächtlichen Gottes-dienste pflegte er der erste in der Kirche und der letzte zusein, welcher hinausging. Die Würde des Gottesdienstesund die Zierde der Kirche lag ihm nahe am Herzen und ersah darauf, daß an diesem heiligen Orte Alles mit dem größ-ten Anstand geschah. 3) Wenn in seiner Gegenwart von an-gesehenen Männern über weltliche Angelegenheiten des Klo-sters oder sonstige Dinge und Vorfälle die Rede war, schwieger still und saß da wie ein Stummer oder einer, der derSachen ganz unkundig wäre. Nur ein offenbarer Nutzen derAeußerung seiner Ansichten konnte ihn zum Sprechen brin-gen. Wurde er aber über höhere Dinge befragt, war vonGott, der h. Schrift, Sachen des ewigen Heils die Rede,dann erhob sich seine Stimme und aus der lautern Quelleseines reinen Herzens ergoß er in Strömen von Beredtsam-keit seine Gedanken.Wer Thomas a Kempis gehörig verstehn und gründ-1) Diese und die folgenden Züge sind zwar nicht gleichzeitigenSchriftstellern entlehnt, kommen aber in der von dem letzten Suppriordes St. Agnetenbergs Franz Baacker, von seiner Geburtsstadt Tholen inZeeland, Tholensis genannt, herrührenden im Jahre 1575 zuerst erschie-neuen Lebensbeschreibung des Thomas vor. Der Verfasser entnahm sie„partim ex priscorum monumentis, partim ex relictis et semirosischartulis“ §. 1. Seine Nachrichten sind demnach durchaus glaubwürdig.(Franc. Tholensis vita Thomae §. 9.)*) Franc. Thol. cit. §. 10.) Fr. Thol. cit. §. 11.
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Nachrichten über Thomas a Kempis : nebst einem Anhange von meistens noch ungedruckten Urkunden
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