84die frommen Pilger aus dem Clevischen, die alljährlich inder Bi.twoche eine Wallfahrt nach der Jerusalems=Kapellebei Neersen machten, einzukehren pflegten. Unter andernwurde auch eine Bettlade für die, welcher Thomas sich be-dient haben sollte, ausgegeben. Auf kleine Späne, die mandavon abschnitt, wurde großer Werth gelegt. Dies war einfrommer Betrug. Die Meinung in Betreff des Hauses aberkann immer aus einem Irrthum entstanden sein und hat so-gar die Möglichkeit der Wahrheit für sich. Wenigstens wirdsie von Herbert Rosweidus unterstützt. Von der Geburts-stätte des Thomas berichtet er: „Derselbe sei auf der Pe-tersstraße geboren.“!) Woher er aber seine Nachricht hat,ob unmittelbar aus Kempen oder aus der zweiten, drittenHand, gibt er nicht an. So viel ist gewiß, in spätererZeit hat in Kempen Niemand im Ernst daran gedacht, be-sagtes Haus für die Geburtsstätte des Thomas zu halten.Ein Fremder und Unkundiger hingegen ein Haus „zumThomas a Kempis“ findend, kann leicht zu dem Irrthumhinübergezogen werden, dies müsse es sein, worin er geborenwäre.Ein anderer Platz, der noch immer, wie von jeher, soviel bekannt, im Volksmunde als die Stätte bezeichnet wird,wo Thomas a. Kempis das Tageslicht erblickte, ist, der ehe-malige Garten der Regentie des alten Gymnasiums amKirchhof.?) Diese Tradition kann aber nur dann von Be-lang sein, wenn sie von einer gewissen schriftlichen Nachrichtunabhängig ist. Seit dem Jahre 1657 wußte man nämlichin Kempen aus aufgefundenen gerichtlichen Dokumenten, daßJohann Hemerken für sich und zugleich als Bevollmächtigterseines Bruders Thomas beim Verkauf eines daselbst amKirchhof gelegenen Hauses, mit thätig gewesen war. DiesHaus hielt man für ihr elterliches. Die Nachricht über1) Ob er, wo er in seinen Zusätzen zur Lebensbeschreibung desThomas sich des Ausdrucks Platea seu paroecia st. Petri bedient, dieStraße oder das Stadtviertel meinte, ist nicht klar. Chr. mont. s. Agn.S. 117.2) Seit ein paar Jahren das Haus No. 405½. Wer noch im-mer das Haus des Thomas sehen wollte, nahm sich das neben diesemGarten gelegene durch sein alterthümliches Aussehn auffallende Kochen-jetzt Zours=Haus Nr. 405.
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Nachrichten über Thomas a Kempis : nebst einem Anhange von meistens noch ungedruckten Urkunden
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