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Nachrichten über Thomas a Kempis : nebst einem Anhange von meistens noch ungedruckten Urkunden
Entstehung
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harmlose Tage. Ihm, der hinter den Mauern seines Klostersverborgen, seiner Mitwelt eben so unbekannt blieb, als sieihm, verdankt die Christenheit ein Buch, das der Nachweltzum fortwährenden Segen gereicht und mit Ausnahme derheiligen Schrift keines seines Gleichen hat, was durch alleLänder so verbreitet wäre. Wer möchte nicht wünschen, die-sen Gottesmann bis in die kleinste Einzelnheit hinein kennenzu lernen? Wer möchte nicht wissen wollen, wie es zu seinerZeit und in ſeiner Nähe in der Welt ausſah, um dadurchvielleicht zur Möglichkeit zu gelangen, sich in etwa, wennauch nur theilweise die Fragen zu beantworten: was dieserGefeierte sah, hörte, dachte, fühlte und wollte? wie er zuseinen Erlebnissen, Meinungen, Ansichten, zu seiner Auffas-sung des Lebens und des Christenthums gekommen ist?Als er das Tageslicht erblickte, waren die Zeiten, woDeutschland die Geschicke der Welt leitete, und der deutscheKaiser als der erste und mächtigste Monarch der Christenheitgalt, längſt vorüber. Vielfache und zum Theil ärgerlicheStreitigkeiten zwiſchen den Fürſten der Welt und den Ober-häuptern der Kirche hatten das beiderseitige Ansehen bedeu-tend geschwächt. Karl IV. war (1346) durch Ränke auf dendeutschen Thron gekommen und suchte durch List und Geldseine Macht zu befestigen und auszubreiten. Er verstand,jedes Mittel, wenn es auch zu den schlechten gehörte, hierzuzu benutzen. So trieb er die Goldmacherkunst und machteWechselgeschäfte. Uebrigens war er ein Freund und Gönnerder Gelehrten und gründete unter andern in der Hauptstadtseines Erbkönigreichs Böhmen die Universität zu Prag (1348),welche sich bald zu einem sehr hohen Flor erhob, und auchaus den Niederlanden her stark besucht wurde!). Wie er sichum Deutschland wenig kümmerte, erreichten hier unter seinerRegierung Befehdungen, Unterdrückungen, Räubereien, jedeArt bürgerlicher Unordnung ihren höchsten Grad. Die Mitteund das Ende des vierzehnten Jahrhunderts sind noch durchallerlei großartige Kalamitäten merkwürdig, die damals un-sern Welttheil heimsuchten. Deutschland, Ungarn und Polenwurden häufig von Heuschrecken überfallen, welche Blätterund Saaten so verwüsteten, daß es draußen im Sommer*) Vita Flor, auth, th. a Kempis IV. §. 2.