57Recht an das Gefühl ab! denn so kann jeder Geisterglaube, jederGespensterglaube sagen. Auf dem Wege des logischen Denkenskönnen alle redlichen Menschen sich einigen, auf dem Wege desFühlens und Ahnens nicht.Und geht denn darüber etwas verloren? Nur fleißig gedachtund gedacht! dann wird sich, bei neuen Ergebnissen desselben, dasGefühl etwas unbehaglich finden, denn es ist die Begleiterin un-serer innern Vorgänge, und darum hat die Gewohnheit ihre Machtüber das Gefühl. Aber indem die neuen Vorstellungen den Ge-setzen des Denkens (die wir uns ja nicht gemacht haben) genü-gen, so wird das Gefühl sich hineinfügen, sich daran gewöhnen,und nun nicht nur ebensoviel Befriedigung beim Neuen findenals beim Alten, sondern noch viel mehr, weil jetzt eine Harmoniein der Seele Statt findet, die erst nicht da war und nicht da seinkonnte; den ewigen Gesetzen des Denkens war ja noch nicht Folgegeleistet. Das ist Schraders Seelenerfahrung, das ist die mei-nige, das ist die frohe Erfahrung vieler schlichten Menschen inunsern Gemeinden, die sich bei dieser Harmonie im Seelenlebensehr wohl fühlen. Indem wir für den (undenkbaren) persönlichenGott: die herrliche göttliche Welt, die Gottheit im All, einge-tauscht haben, für die persönliche Unsterblichkeit: die Unsterblich-keit alles wackern menschlichen Strebens, so hat unser Gefühl eineBefriedigung gewonnen, die wir einst nicht kannten.Sehn Sie zu, lieber Braun, was Sie von diesem Blatte ge-brauchen können. Es ist geschrieben, weil ich Sie lieb habe, undweil ich weiß, Sie trauen mir keine andre Absicht zu, als dieden Freund gegen den Freund, und die gemeinsamen Arbeiter ander großen Weltaufgabe, beseelen muß. Gefährlich muß ich'sstets nennen, dem Gefühl, der Ahnung neben der Vernunft dasRecht der Entscheidung zuzuerkennen.In aller LiebeIhrUhlich.e
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