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Briefe über freie Religion
Entstehung
Seite
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Atomgruppirung, so ist damit für unsere vorliegende Fragenoch gar nichts gesagt; denn abgesehn davon, daß die verschie-denartige Atomgruppirung durchaus unerwiesen ist, darf mannoch immer fragen: Warum, aus welchem Grunde gruppirt sichein und derselbe Stoff einmal zugraphit und das andere Malzu Demant? Wenn der Stoff allein darüber entscheidet, so müßteer Einsicht und Willen haben, die er nicht besitzt, und diese Fähig-keiten dürften ihm nur Natureigenthümlichkeiten sein, weil siesonst Kräfte wären, die in andern Diensten ständen. Jedoch derStoff entscheidet nicht über seine Gestaltung; er gestaltet sich nichtselbst, sondern wird gestaltet. Der Stoff ist das passive Ob-jekt; die Kraft ist's, die das belebende Wort über ihn ausspricht.Im Anfange, wo der Stoff war, da existirte auch die Kraft, dieihn erweckte; d. h. in dem Anfange da war auch dasWort!Wir haben nun, glaub' ich, erkannt, daß die Weltmaterieden vollständigen Grund ihrer Bewegungen, das Prinzip des Le-bens nicht einschließt. Wie mein Wille die Ursache der Bewe-gung meiner Glieder ist, und diese wieder die Körper ihrer Um-gebung bewegen, wie das alles nicht auf die ledigliche Veran-lassung der Materie geschieht, die willenlos starren Gesetzen folgt,so bringt mich dieses Bewußtsein auf die Idee eines mächtigerenWillens, der das gehorsame Universum bewegt und doch etwasAnderes ist als das Universum selbst, das er ja beherrscht.Das Schwanken unserer Zweifel und die Unsicherheit unse-res Geistes bei jedem Schritte, den wir im Reiche der Wahrheitthun, ist das Zeichen unserer Schwäche, der Talisman gegen bö-sen Stolz. Einige Materialisten bilden sich hochmuthsvoll ein,zu wissen, was die Welt im Innersten zusammenhält; aberder bescheidenere Forscher sucht darnach und weiß nur, daß ernichts weiß. Unsere Gedanken gleichen der zitternden Nadel imCompaß, die nach rechts und links ausschlägt, so lange dasSchiff auf den unsichern Wogen treibt; ganz ebenso fallen un-sere Gedanken aus einem Irrthume in den andern, währendsie fast täglich den Meridian des Gottglaubens überschreitenWenn das Fahrzeug aber in den Hafen der Ruhe eingelaufenist, dann wird auch die Nadel stille stehn und unbeweglich aufihren magnetischen Pol gerichtet sein. Wenn der menschliche Geistnach rastlosem Suchen und Streben seinen wahren Frieden er-