beseRisch.ebenseherannne 6.müße
11 —auch mitunter täuschen und widerlegbar falschen Vorstellungennachhangen können. Stolpernd kommen wir vorwärts.Ueber Zeit und Raum reden Viele wie von wirklichenDingen und weil sie nun den Raum für buchstäblich unendlichhalten, so nehmen sie das Dingliche, das Körperliche im Raumefür unbegränzt groß und von endloser Dauer, somit die Weltfür das Unendliche, das Göttliche. Dieser Schluß bildet die Wur-zel des Pantheismus, und ich bin froh, ihn als irrig erkannt zuhaben. Die Zeit ist nur eine Form unserer Vorstellung; sie istlediglich die Bedingung des Nacheinanders, unter welcher wir dieeinzelnen Erscheinungen als solche aufzufassen vermögen. Durchdie Gedankenform „Zeit“ sondern wir die vielen, unsere Sinnes-werkzeuge bestürmenden Eindrücke und bilden uns so die Vor-stellung einzelner Phänomene. Betrachten wir unausgesetzt, in un-bewegter Anschauung versunken, eine einzige Erscheinung, so trittdie „Zeit“ in unserer Vorstellung zurück, so, daß wir wieder einesandern Anhaltspunktes, etwa eines vorangerückten Uhrzeigers be-dürfen, um uns das Bild verstrichener Zeit beizubringen. Wirnehmen also die Zeit nicht direkt wahr wie andere Objekte, son-dern wir setzen sie voraus, in welcher Voraussetzung allein esuns möglich ist, den Wechsel der Welt aufzufassen. Die Zeitbildet gewissermaaßen die Lebensluft für das Erkenntnißvermögenunseres Geistes. Während des Schlafens entbehren wir mit demBewußtsein auch aller Vorstellungen von „Zeit“, und so entrücktuns der Schlaf für eine vorübergehende Weile der Zeitlichkeit,während uns der Tod dauernd der Ewigkeit zuführt. Im leb-haften Traume, wo die Erinnerungen dessen, was wir waren,mitwirken, legen wir unsern Einbildungen ebenfalls Zeitmaaßezu Grunde, welche ebenso willkührlich sind, als die, deren wiruns im wachen Leben bedienen. Zeitlich ist also für uns das-jenige, womit wir die Gedankenanschauung begränzter Dauer,einer wechselnden Existenz verknüpfen; das Ewige, als Gedanken-gegensatz des Zeitlichen, als das Einfache, weil nicht aus verschie-denen Einzelphänömenen zusammengesetzte, läßt daher den Begriffdes Nacheinanders, des Wechsels und der Bewegung nicht zu. Ichglaube, es ist Plato, der die Zeit das bewegliche Bild eines un-beweglichen Originals, der Ewigkeit, nennt.Mit dem Raume verhält es sich ähnlich.In der Wirklich-keit gibt es kein Ding, das blos Raum wäre, weshalb wir uns