große Selbstbeherrschung erfordert's oder seltene Gemüthsruhe,im begeisterten Kampfe für die Ehre der Gottheit nicht jene Götzenzu zertrümmern, die mit hoher menschlicher Erlaubniß fortbestehnsollen. Und doch möchte ich in diesen Briefen nicht streiten, son-dern es versuchen, die Wahrheit zu finden.Moses sehe ich vom Berge herabeilen, um das goldene Bildzu zerstören; ich gewahre Bonifaz, Deutschlands Apostel, mit eig-ner Hand die altehrwürdige Donnereiche fällend, um unsern Vor-fahren zu zeigen, daß nichts Göttliches hinter ihr verborgen sei.War es da Unrecht, wenn die Heiden an Bonifaz selbst mit derAxt den Versuch anstellten, ob ihn denn sein Gott vor den tödt-lichen Streichen schützen könne? Das Martyrthum dieses eifrigenBischofs war die Erndte aus jener Saat, die er mit eigner Handausgestreut hatte; ahmen wir ihm daher nicht nach. Und wohinwürde es auch mit uns kommen, wenn wir, die Beweisführungunseres vaterländischen Apostels adoptirend, die Tabernakel ver-wüsten wollten, um ihre Ohnmacht darzuthun. Man würde unsmit Recht in Ketten und Bande schlagen. Glücklicherweise stehnuns glimpflichere Mittel zu Gebote, um unsern Gottglauben zubegründen.„On ne detruit, en effet, sans retour que ce que l’on rem-„place avantageusement.“ sagt Napoleon III. in seiner Geschichtedes Julius Cäsar. „Man vernichtet nur dasjenige wirklich und„ohne Aussicht auf Wiederherstellung, was man durch Besseres„zu ersetzen versteht.“ Es gilt daher, unverdrossen am Tempelder Wahrheit zu bauen, denn sobald er vollendet dasteht, werdensich seine Hallen füllen, und die Altäre der Lüge verlassen sein.Wir können die Häßlichkeit nicht empfindlicher beschimpfen, alswenn wir ihr die Schönheit zur Seite stellen. Wie die Nachtvor der aufgehenden Sonne flieht, so verhüllt sich die falsche Göt-terschaft vor dem Einigen.Gehn wir an's Werk.Sie aber, woran ich im Geiste diese Zeilen richte, Sie sollenmeine Feder bewahren vor allen Abirrungen, zu denen die Be-handlung eines so viel Haß und Liebe erweckenden Gegenstandesgerne verleitet. Mich in Ihre Gegenwart versetzend, werde icham Scheidewege zweier Ausdrücke wohl stets den würdigsten wäh-len. Nur bitte ich, daß Sie weder ermüden, noch die Geduldverlieren mögen, wenn der Pfad auch mitunter durch dürre Strek-
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