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Joseph von Eichendorff : sein Leben und seine Dichtungen ; zur hundertjährigen Geburtstagsfeier am 10. März 1888
Entstehung
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das groß angelegte Werk zu vollenden. Auch blieb ihm nicht mehrdie Zeit, seine Lebenserinnerungen vollständig niederzuschreiben, welchegewiß zu den bedeutendsten selbstbiographischen Denkmälern hätten ge-zählt werden müssen; er vollendete nur die beiden Abschnitte:Deut-sches Adelsleben am Schluß des 18. Jahrhunderts", sowieHalle undHeidelberg", welche nach seinem Tode in denVermischten Schriften"Aufnahme gefunden haben. Der letzte, frisch und anschaulich entworfeneBilder aus dem Universitätsleben enthaltend, zeigt uns namentlich, waswir an den Lebenserinnerungen des Dichters verloren haben. Auch aufdichterischem Gebiete hat Eichendorff viel Unvollendetes hinterlassen, soeine Erzählung in Versen, den gewaltigen Kampf der Reformationszeitin dem Ringen zweier großartigen energischen Charaktere darstellend, ein episches Gedicht, dessen Held Johannes von Gott, Gründer desOrdens der barmherzigen Brüder, ein Idyll, komisch und parodirend,»aus der alten guten Zeit des Zopfes«, »Aus dem Tagebuche einesEinsiedlers«, in charakteristischen Erlebnissen, Betrachtungen, Ansichtenüber Vergangenheit und Gegenwart und die wahren ewigen Aufgabenalles Menschenlebens und anderes, alles nur zum Theil und in denersten Umrissen ausgeführt" st.

Im Spätherbst des Jahres 1857 verweilte Eichendorff, der denSommer bei seinem jüngsten Sohne in Mähren verlebt hatte, wiedereinige Wochen auf Johannesberg bei seinem Freunde Fürstbischof Hein-rich, der ihn dies Mal, wie wenn er geahnt hätte, daß es der letzte Be-such des Dichters sei, schmerzlich bewegt entließ. In der That sollteEichendorff nur noch wenige Wochen unter den Lebenden weilen. AnfangNovember befiel ihn eine heftige Erkältung, welche sich nach wenigenTagen zu einer Lungenentzündung ausbildete. Am 18. November legteder Dichter sich zu Bett, welches er nicht wieder verlassen sollte;denn bald trat eine rasche Abnahme der Kräfte ein, welche durcheinen, augenblickliche Erleichterung versprechenden Aderlaß noch gesteigertwurde. Der Kranke bewahrte eine bewundernswerthe Fassung undempfing mit großer Andacht die h. Sterbesakramente. Die Krankheitnahm nunmehr einen raschen Verlauf und nahte sich, wie der Dichterund seine Angehörigen wohl einsahen, einem tödtlichen Ende. Baldverlor er zeitweise das Bewußtsein und verfiel in heftige Delirien, welcheseinen Geist in die Zeit der Jugend zurückversetzten. Am 26. Novembertrat eine verhängnißvolle Ruhe ein, der Kranke lag, nur unmerklichathmend, wie schlafend auf seinem Bette in banger Erwartung um-gaben ihn alle seine Angehörigen, welche sich auf die Nachricht von seiner