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Joseph von Eichendorff : sein Leben und seine Dichtungen ; zur hundertjährigen Geburtstagsfeier am 10. März 1888
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gar nicht kennt. Um nun zwanglos Herz und Gemüth seiner Zukünf-tigen erforschen zu können, geht er verkleidet in Gesellschaft von Schau-spielern auf deren Schloß. Adele aber hat von dem Vorhaben desjungen Grafen erfahren und tauscht, um ihn gründlich an der Naseherumzuführen, ihre Kleider mit denen ihrer nicht minder schönen Kammer-jungfer. Nun kommt noch ein Vermummter, nämlich Hofrath Feder, derauf Befehl besagten Oheims das Treiben des Wildfanges von Neffenbeobachten soll. Selbstredend entsteht unter den Betheiligten eine tolleVerwirrung, in welcher keine Person mehr aus der andern klug wird,in der aber doch alles in schönster Harmonie sich löst. Eichendorff hatdie Fäden der Handlung in bedenklicher Weise verwickelt, so daß demLeser manchmal angst und bange wird, ob er sich auch werde heraus-finden können; aber der Dichter weiß die Fäden auch wieder zu ent-wirren. Wolfgang Menzel meint daß das Lustspiel an Feinheitden besten spanischen gleichkomme, und daß mehrere Charaktere mit hoherGenialität, die an Shakespeares beste Lustspiele gemahne, aufgefaßt seien.Das Lob geht ein wenig weit; denn die Motive des Lustspiels sind dochziemlich verbraucht, und auch die Charaktere sind nicht eben neu.

VIII.

Im Sommer des Jahres 1831 wurde Eichendorff, der 1829 eineVersetzung nach Koblenz abgelehnt hatte, weil ihm verschiedene Bedin-gungen nicht erfüllt werden konnten, nach Berlin in die Abtheilung desCultusministeriums für katholisches Schul- und Kirchenwesen berufen, inwelcher Stellung er bis zum Jahre 1844 blieb. Minister Altensteinwar ihm seit Jahren günstig gesinnt und verharrte in dieser Gesinnung,obwohl Eichendorff mit ihm wegen des Kölner Kirchenstreits (1837) man-chen harten Strauß durchzukämpfen hatte. Eichendorff blieb seiner katho-lischen Ueberzeugung treu und scheute sich nicht, seinem Chef unverhohlenseine abweichende Meinung kundzugeben. In seinen Collegen fand ertüchtige Leute, welche ihm mit offenen Armen entgegenkamen, so Nicolo-vius, Schmedding, Johannes Schulze, Kortüm, Aulike, Brüggemann u. a.,obgleich er gewiß nicht mit allen sympathisirte. Ueber Eichendorff's amt-liche Thätigkeit heißt es in der Biographie^):In den ersten Jahrenversah Eichendorff in Gemeinschaft mit Schmedding die Geschäfte derAbtheilung ganz allein, einen Zuwachs neuer Kräfte erhielt dieselbe erstunter der Regierung des Königs Friedrich Wilhelm IV., dem die katho-

Gesch. der deutschen Dichtung, Itl 357. ^ 24 , 25.