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Joseph von Eichendorff : sein Leben und seine Dichtungen ; zur hundertjährigen Geburtstagsfeier am 10. März 1888
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So war Eichendorff's Aufenthalt in Wien, der nur hin und wiederdurch Besuche bei seinen Eltern und seiner Braut unterbrochen wurde,ein überaus glücklicher. Er wurde nach und nach in die höchsten Kreiseder Gesellschaft eingeführt und hatte sichere Aussicht auf eine glänzendeLaufbahn. Oesterreich schien ihm die zweite Heimath werden zu sollen,so daß Philipp Veit an seine Mutter schreiben konnte, Eicheudorff seisoeingewienert", daß er schwerlich wo anders fröhlichen Herzens seinkönne ft. Aber es kam anders, und daß es so kam, gereicht unsermDichter zur höchsten Ehre. Endlich war der Zeitpunkt gekommen, umdas fremde Joch abzuschütteln, und Eichendorff zögerte keinen Augenblick,das wahr zu machen, was er in feuerigeu Gedichten gelobt: er weihteseinen Arm dem Vaterlande. Während der zwei Jahre, welche er inWien zubrachte, bereitete sich ein so rascher Wechsel der Dinge vor, wieer auch von den Optimisten nicht erwartet worden war. Napoleon, derEmporkömmling, stand im Jahre 1811 auf dem Gipfel seiner Macht.Ein Sohn, den ihm die Tochter des Hauses Habsburg geboren, sicherteseiner Familie die Dynastie. Da begann er den Feldzug gegen Rußland.Der Brand von Moskau äscherte auch den anscheinend unzerstörbarenRiesenbau seiner Macht ein. Geschlagen kehrte er zurück. Nun erhobsich Preußen, das in jahrelanger stiller Arbeit sich auf den großenBefreiungskampf vorbereitet hatte, und der Aufruf des Königs rief am3. Februar 1813 das ganze Volk zu den Waffen. Eichendorff säumtenicht, dem Ruse zu folgen.Steig' aufwärts," sang er begeistert,

Steig' aufwärts, Morgenstunde!

Zerreiß die Nacht, daß ich in meinem WeheDen Himmel wiedersehe.

Er opferte seine Laufbahn dem Vaterlande, er schlug sein Lebenin die Schanze, während um dieselbe Zeit der größte deutsche Dichterseinen Sohn August hinderte, in die Reihen der Freiheitskämpfer einzu-treten !

V.

Mit Eichendorff zog Anfang April 1813 sein treuer Freund PhilippVeit in's Feld, während Wilhelm, des Dichters Bruder, in Wien zurückblieb.Am 12. April kamen die Freunde in Breslau, dem preußischen Haupt-quartier an, wo sich der König mit seinen Ministern und Generälen be-fand. Hier wurde ihnen allgemein gerathen, zu dem schwarzen Freicorpsunter Lützow nach Sachsen zu gehen, und sie waren gern geneigt, sich

-) Naich, a. a. O., II 209.