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schweren Erkrankung nach Neiße begeben hatten, und am Nachmittaggegen 5 Uhr entschlief er sanft und ohne jeden Todeskampf. Am30. November, Morgens 9 Uhr, senkte man den „letzten Ritter der Ro-mantik" in die kühle Gruft hinab, lieber seinem Haupte rauschenjetzt die Linden, deren stillen Reiz er so oft gefeiert. Ein einfacher Grab-stein auf dem schönen Friedhof St. Jerusalem zu Neiße bezeichnet dieStelle, wo einer der edelsten Geister unserer Nation, einer der gemüth-vollsten Dichter und einer der besten Menschen seine letzte Ruhestättegefunden.
Eichendorff's Stellung in der deutschen Litteratur ist schon jetzt einefest bestimmte: er wird allgemein als einer unserer hervorragendstenLiederdichter bezeichnet. Seine Romanen und Novellen werden, abgesehenvon dem Taugenichts, vom großen Publicum kaum noch gelesen; dieschönsten seiner Lieder aber sind in das Volk gedrungen, werden vonTausenden gesungen im Salon, im Concert, bei festlichen Gelegenheiten,auf der Wanderschaft; sie werden gesungen vom fröhlichen Wander-gesellcn, vom flotten Bruder Studio, von der sentimentalen Salondameund der verliebten Bauerndirne -— und viele gibt es, die nie erfahren,welcher Dichter ihnen die ergreifenden Lieder geschenkt hat. Sie sindübergegangen in den Liederschatz unseres Volkes, und das ist das blei-bendste Denkmal, das einem Lyriker gesetzt werden kann.