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Mangel an geübten Soldaten und besonders an thatkräftiger Führer-schaft voranszusehen. Am 14. October wurden die Schlachten bei Jenaund Auerstädt geschlagen, am 27. zog Napoleon in Berlin ein; es fielenin rascher Reihenfolge Erfurt, Spandau, Stettin, Magdeburg. Am16. October wurde auch Halle nach heftigem Straßenkampf von Berna-dotte eingenommen, und die Universität, deren Studenten geplant hatten,ein bewaffnetes Freicorps gegen Napoleon zu bilden, ausgehoben.
Wie Donnerschläge fielen diese traurigen Nachrichten in die lustigeGesellschaft von Lubowitz, wo Eichendorff mit seinem Bruder und einigenmitgereisten Commilitonen ihr keckes studentisches Treiben fortsetzten.Auf den Sieg Preußens hatte man nach der entsetzlichen DemüthigungOesterreichs allerdings nicht gerechnet, aber auf die Tüchtigkeit despreußischen Heeres, eingedenk der Erfolge im siebenjährigen Kriege, dochzu viel Hoffnung gesetzt. Nun war die Hauptstadt Preußens in derHand Napoleons, seine Heere drangen in Schlesien ein, eroberten zuAnfang des Jahres 1807 Breslau und in raschem Siegesflug dieübrigen Festungen des Landes. Die Einwohner litten entsetzlich, durchEinquartirungen und maßlose Contributionen. Man hoffte von Tag zuTag auf Siege Rußlands — sie blieben aus. Die beiden Commilitonen,welche die Gebrüder Eichendorff nach Lubowitz begleitet hatten, tratenin österreichische Dienste, um dort gegen den gemeinsamen Feind zukämpfen. Gewiß sind in dieser Zeit Einflüsse geltend gewesen, welcheunfern Dichter von einem gleichen Schritt zurückhielten, zumal er, derfeuerige Patriot, später eine geliebte Braut verließ und eine glänzendeLaufbahn in Frage stellte, um sich in das Heer einreihen zu lassen.Davon war augenblicklich nicht die Rede, im Gegentheil wurde die Frageerwogen, ob es nicht besser sei, die Brüder zur Fortsetzung ihrer Studiennach Dorpat zu senden, wo sie sicher sein konnten, vom Kriegslärmnicht berührt zu werden. Glücklicherweise kam es nicht dazu; man ent-schloß sich, zum Segen für die weitere Entwickelung Eichendorffis, fürHeidelberg.
III.
In Heidelberg, der anmuthigen Musenstadt, welche er selbst in Versund Prosa verherrlicht hat, verlebte Eichendorff die schönste Zeit seinerschönen Jugend, eine Zeit voll ungebundener Jugendlust, voll Anregungund ernsten Strebens. Die Natur, welche, wie er selbst so schön sagt,in Heidelberg mitdichtet, weckte seine poetische Begabung weit mächtiger,als die Umgebung der Saalestadt es vermocht hatte; die Männer,