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gedeutet, daß seine Jugendlectüre eine sehr regellose war und namentlichin Übersetzungen französischer Romane bestand. Welcher Geist die fran-zösische Litteratur im Ausgang des 18. Jahrhunderts beherrschte, ist be-kannt, und gewiß ist, daß in die Schloßbibliothek von Lubowitz dieschlimmsten Sachen nicht ausgenommen wurden. Aber auch die wenigerschlimmen mußten dem lebhaften Knaben gefährlich werden und ihmdie Beschäftigung mit Liebesangelegenheiten als harmlos erscheinen lassen.Später kam die Lectüre von Wilhelm Meister und der Werke der Ro-mantiker hinzu, welche in ihren frühesten Schriften die Grenzen der Sitteoft genug — wie auch im Leben — überschritten. Und endlich warman zu jener Zeit — auch eine Frucht der stark getriebenen Lectüre solcherRomane — sehr nachsichtig gegen regellose Liebesangelegenheiten und be-handelte Personen, auf deren Vorleben solche „interessante" Schatten lagen,mit einer schwärmerischen Theilnahme. Auch Eichendorff war hierin einKind seiner Zeit, und er ließ seiner Phantasie eine Freiheit, eine „Keck-heit", wie Fouque richtig sagt, welche er seiner Leidenschaft nie gestattethätte.
VI.
Ohne Zweifel würde Eichendorff's Roman, zumal er von einemallgemein vergötterten Schriftsteller wie Fouque bevorwortet worden war,allgemeines Aufsehen erregt und den Verfasser zu einem bekannten Mannegemacht haben, wenn nicht wieder auftauchende Kriegsgefahren die Auf-merksamkeit der Welt von ihm abgezogen hätten. Am 1. März 1815verließ Napoleon Elba, um noch ein Mal mit den europäischen Groß-mächten den Kampf aufzunehmen. Wiederum galt es, um die ebenerrungene Freiheit zu kämpfen, und Eichendorff, dessen junge Gattin ihnnicht allein nicht zurückhielt, sondern sogar ermuthigte, ließ sich sofortwieder in die Armee einreihen. Er handelte in demselben Geiste, inwelchem er gedichtet hatte. Am 1. Oktober 1814 hatte er an Fouquegeschrieben^): „Gott hat uns ein Vaterland wiedergeschenkt, es ist nunan uns, dasselbe treu und rüstig zu behüten und endlich eine Nation zuwerden, die, unter Wundern erwachsen und von großen Erinnerungenlebend, solcher großen Gnade des Herrn und der eigenen kräftigen Tiefesich würdig beweise." Er gedachte sich unter Blücher's Commando zustellen und eilte Ende April nach Lüttich, wo der gefeierte Feldmarschall
Briefe an Fouque, S. 77.