eines fein ausgebildeten Kunstsinnes. Hier schied Löben von ihnen, derebenfalls Heidelberg für immer verlassen hatte.
Die Brüder wandten sich nun nach Regensburg, um von da dieDonau hinab nach Wien zu fahren. Wie lange sie in der Kaiserstadtan der Donau verweilten und welche Bekanntschaften sie dort anknüpften,ist uns nicht mitgetheilt worden; in der Biographie Eichendorff's heißtes nur, daß sie „einige Zeit" dort zugebracht hätten.
IV.
Mit der Rückkehr in das väterliche Haus begann für Eichendorffeine neue glückliche Lebensperiode. Erfüllt von den empfangenen viel-seitigen Eindrücken, welche die Universitätszeit und seine für die damaligenZustände sehr weiten Reisen ihm gegeben, erfüllt von großen Ideen undeiner schwärmerischen Begeisterung für die Kunst, vorab die Dichtkunst,erfüllt aber auch von einer frisch pulsirenden Lebenskraft, welche in einemgesundheitstrotzenden Körper ihren Wohnsitz hatte, regte sich in ihm eineerstaunliche Schaffenslust, welcher wir eine ganze Reihe seiner schönstenGedichte und die Pläne zu vielen Novellen verdanken. In dem reiz-vollen, romantischen Lubowitz, seiner über alles geliebten Heimath, gingder Samen, welchen er in Heidelberg in sich ausgenommen, zu präch-tigen Blumen auf. Ein wahres Kind des Glücks, ein echter Günstlingder Musen, wiegte er sich in einem behaglichen, anregungsvollen Dasein,welches den Dichter in ihm mit jedem Tage mehr zur Entwickelungbrachte. Er befand sich so recht in jener Stimmung, welche den Heldenseines in diesen schönen Tagen entworfenen Romans „Ahnung und Gegen-wart" beseelt, und die er mit den treffenden Worten schildert: „SeineSeele befand sich in einer kräftigen Ruhe, in welcher allein sie im Standeist, gleich dem unbewegten Spiegel eines See's den Himmel in sich auf-zunehmen. Das Rauschen des Waldes, der Vogelfang rings um ihn her,diese seit seiner Kindheit entbehrte grüne Abgeschiedenheit, alles ries inseiner Brust jenes ewige Gefühl wieder hervor, das" uns wie in denMittelpunkt alles Lebens versenkt, wo alle die Farbenstrahlen, gleichRadien, ausgehen und sich an der wechselnden Oberfläche zu dem schmerz-lich schönen Spiel der Erscheinung gestalten. Alles Durchlebte und Ver-gangene geht noch ein Mal ernster und würdiger an uns vorüber, eineüberschwängliche Zukunft legt sich wie ein Morgenroth blühend über dieBilder, und so entsteht aus Ahnung und Erinnerung eine neue Welt inuns, und wir erkennen wohl alle die Gegenden und Gestalten wieder,aber sie sind größer, schöner und gewaltiger und wandeln in einem