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Joseph von Eichendorff : sein Leben und seine Dichtungen ; zur hundertjährigen Geburtstagsfeier am 10. März 1888
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Eichendorff hatte eine starke satirische Ader und ein unleugbar großesTalent, die schwachen Seiten seiner Gegner zu erkennen und sie in wir-kungsvoller Weise zu carrikiren, aber es war nicht groß genug, um Sa-tiren zu schaffen, welche in absolutem Sinne ihrer Aufgabe genügen. Dennals vollkommen muß doch jene Satire bezeichnet werden, welche denMitlebenden in voller Klarheit und mit unverkennbarer Gewißheit denangegriffenen Gegenstand darstellt, aber auch gleichzeitig so gestaltet ist,daß sie die Nachwelt, welche vielleicht von der Veranlassung und demtieferu Untergründe der Satire nichts mehr weiß, noch befriedigt. SolcherArt sind Cervantes' und Swift's großartige Schöpfungen, welche nochnach Jahrhunderten eine große Wirkung ausüben.

IX.

Einen leisen Nachklang der satirischen Stimmung, welche Eichendorffin diesen Jahren beherrschte, finden wir auch noch in der großen Novelle:Dichter und ihre Gesellen", welche 1834 zum ersten Male gedrucktwurde. Die Unzufriedenheit mit der Zeit, welche in völliger Gährungbegriffen schien, gibt sich in den bittern Worten des Amtmannes kund:Glauben Sie mir, unsere ganze Zeit jetzt ist gerade wie dies verrückteFrühliugswetter, die Schwüle brütet und treibt alles vorzeitig hervor,und ich fürchte, es schießt mehr in's Kraut als in die Blüthe. UnsereJuugens wissen schon jetzt mehr, als wir jemals erfahren haben, undrecken und sehnen sich aus allen Gelenken heraus, während wir in un-serer lustigen und gesunden Jugendzeit ohne besondere Sehnsucht hin-reichend dumme Streiche machten und erst die fatalen Lümmeljahre über-stehen mußten. Ja, es ist recht verdrießlich. Man möchte sich gernbequem, fröhlich und auf die Dauer einrichten, wie in der guten altenZeit, aber der ferne Donner verkündigt überall den unheimlichen Ernst,und so sitzen wir verwirrt, ungewiß und in banger Erwartung vor demdunkeln Vorhang, hinter dem fortwährend, Gott weiß was, unruhig undfeuerig zuckt." Aehnlich, aber sehr energisch drückt sich Baron Ebersteinaus, welchem der Prediger von der Mündigkeit der Zeit und der unsicht-baren Gewalt unverjährbarer Wahrheit zu sprechen wagt. Der alte Herrfährt wüthend aus:Mein Jagdrevier hier kenne ich ganz genau, und wermir in meine Wildbahn bricht, mündig oder unmündig, den schieß ich vor denKopf wie einen tollen Hund, und damit basta! Und wenn Jeder so thäte inseinem Revier, so hätten wir bald Ruhe vor der verjährten Intelligenzund der unsichtbaren Wahrheit und alle dem Plunder. Glaubt einemaltgedienten Offizier, Prediger, die Zeit will Prügel haben, weiter