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seine letzten Lebenstage bei ihr in Neiße zu verbringen. Zwei Jahrewaren ihm noch vergönnt, die er ans einem nahe der Stadt gelegenenLandhause verlebte. Die alte Gewohnheit, Feld und Wald in tüchtigenSpaziergängen abzustreifen, behielt er bis an sein Ende bei und be-wahrte sich dadurch ein verhältnißmäßig gutes körperliches Befinden.Zwei Sommer, die des Jahres 1856 und 1857, verbrachte er aufSchloß Johannesberg, der bekannten fürstbischöflichen Residenz in Oester-reichisch-Schlesien, wohin ihn der Fürstbischof von Breslau, Dr. Hein-rich Förster, eingeladen hatte.
Welche große geistige Frische sich Eichendorff bis in sein hohesAlter bewahrt hatte, geht auch aus den litterarischen Arbeiten hervor,welche er in den letzten beiden Jahren seines Lebens entweder veröffent-lichte oder dem Pulte einverleibte. Seiner Geschichte der poetischen Litte-ratur Deutschlands, welche 1856 erschien, haben wir bereits gedacht.Er hat das seit langer Zeit gesammelte Material in diesen Jahren ver-arbeitet und geordnet. Wenn er seine Studien auch mit den Romantikernabschloß, so widmete er doch den später hervortretenden poetischen Er-scheinungen große Aufmerksamkeit und ermunterte manche junge Dichter,die sich gern mit ihren Prodnctionen an den liebenswürdigen altenHerrn wandten, zu weiterm Schaffen. Im Ganzen mutheten ihn dieneueren Richtungen in der Poesie nicht an, wie dies aus einem am9. Juli 1857 an den nunmehr verstorbenen Dichter Friedrich WilhelmGrimme gerichteten Briefe hervorgeht. Er lobt dessen ihm zur Prüfungeingesandten Gedichte sehr und fügt hinzu: „Ich kann schließlich nursagen, daß mir der unmittelbar frische.Klang, der wie ein Frühlings-hauch durch Ihre Romanzen weht, sowie das plastische Naturgefühlüberaus wohlthuend war in einer Zeit, wo einerseits die courfähigeSentimentalität der Putlitz, Gräfin Schwerin, in ihren: »Wassich der Wald erzählt« u. s. w. und anderseits das weinerliche Geleiervon Redwitz und Consorten alle Poesie zu verhimmeln droht."
Ganz besonders beschäftigte sich Eichendorff mit einer Lebensbe-schreibung der h. Hedwig, der Landespatronin von Schlesien, zu welcherFürstbischof Heinrich Förster ihn angeregt hatte. „Der Gegenstand hattefür Eichendorff viel Anziehendes, und er unterzog sich der Arbeit, dievorhandenen geschichtlichen Quellen sorgfältig zu Rathe ziehend, mitgroßer Liebe. Hedwig .... sollte ganz in ihrer heroischen Größe, alsstrenge Heldengestalt und demüthige Büßerin, nach ihrem innern undäußern Wandel, sowie in ihrer sittlichen und politischen Bedeutung fürSchlesien dargestellt werden" ^). Es war dem Dichter aber nicht vergönnt,
ff Giitigst mitgctheilt von vr. Fr. Grimme. — ?) iv 589.