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In dieser Beziehung stehen „Robert und Guiscard" sowie „Lucius",welche beide in fünffüßigen Jamben geschrieben sind, von denen sechs sichzu einer Strophe zusammenschließen — Reimspiel a b a b o o — überallen Producten unseres Dichters in gebundener Rede. „Julian" zeigtkaum mindere Kunst, macht aber nicht denselben wohlthuenden Eindruck,weil das Versmaß mit jedem Gesänge wechselt.
Es scheint fast, als habe der Zwang der gebundenen Rede aufEicheudorff's Compositionsweise einen günstigen Einfluß ausgeübt, denndie drei Gedichte bewegen sich in festern Formen und sind ziemlich freivon jener romantischen Zerfahrenheit, welche charakteristisch ist für Eichen-dorff's Erzählungen. Die Ereignisse — deren Erfindung nicht eben kunst-voll ist — entwickeln sich stetig und glatt und sind ganz geeignet, denLeser zu fesseln. In der Charakterzeichnnng vermögen wir einen Fort-schritt nicht zu erkennen. Mannhafte Charaktere, welche ein festes Wollenbeseelt, finden wir hier so wenig wie in den Novellen; allen ist einegewisse Weichheit eigen, welche beim Leser große Wirkungen nicht zuerzielen vermag. Aber innerhalb dieser Grenzen verdienen die Gedichte alleBeachtung. Und über diese Vorzüge hinaus werden sie immer Zeugnißablegen für die wunderbare Frische des fast siebenzigjährigen Dichters.
lieber vierzig Jahre hatte Eichendorff in glücklichster Ehe gelebt,die nur durch den Verlust zweier im zartesten Lebensalter gestorbenerKinder getrübt wurde. Im Frühjahr 1855 bildete sich bei Eichen-dorfs's Gattin ein Leberleiden aus, welches schon bald einen gefähr-lichen Charakter annahm, so daß der Dichter sie aus dem Strudel derHauptstadt in die ländliche Ruhe bei Cöthen brachte. Indessen schaffteihr die Ortsveränderung keine Linderung, und die Aerzte drangen aufden schnellen Gebrauch von Karlsbad. Eichendorff, dessen Besorgniß fürdie treue Lebensgefährtin keine Grenzen kannte, reiste sofort — AnfangJuni 1855 — mit ihr dahin ab und verweilte in Karlsbad zwei Mo-nate an ihrer Seite. Der Gebrauch des heilkräftigen Wassers hatte aufden Zustand der kranken Frau einen sehr günstigen Einfluß, der auchnoch einige Monate nach ihrer Rückkehr seine Wirkung ausübte; alsaber im November desselben Jahres ein schwerer Rückfall eintrat, sahenbeide Gatten wohl ein, daß die Stunde der Trennung herannahe. DieKranke verlangte sehnsüchtig zu ihrer Tochter nach Neiße gebracht zuwerden, wohin deren Mann inzwischen versetzt worden war. Als sieaber nach einer langsam mit aller Schonung ausgeführten Reise dortangekommen war, lebte sie nur noch wenige Wochen; am 3. December ,hauchte sie in den Armen ihres verzweifelnden Gatten ihre Seele ausHFür Eicheudorff war nun der irdische Mittelpunkt seines Lebensund Denkens dahin, und gern gab er den Bitten seiner Tochter nach,