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ihm hochverehrten Dichter, und dieser gewann den genial veranlagtenjungen Mann so lieb, daß er sich bestimmen ließ, zu den im Jahre1849 erschienenen Gedichten Dreves' ein empfehlendes Vorwort zuschreiben.
Erst im November 1850 kehrte Eichendorff, welcher inzwischen auchseinen Bruder Wilhelm durch den Tod verloren hatte, nach Berlin zu-rück. Er fand dort viele und große Veränderungen, welche seinen leb-haften Geist nach entgegengesetzten Richtungen hin auf das ernsteste be-wegten. Die Revolution, deren furchtbares Auftreten in dem geliebtenOesterreich ihn heftig erschüttert hatte, war für Preußen, nachdemdie National-Versammlung aufgelöst worden war, von großen Fol-gen begleitet gewesen. Am 5. December 1848 wurde eine Verfassungmit dem Zweikammer-System octroyirt. Im Februar 1850 wurdedie Verfassung revidirt und vom König und den Kammern feierlich be-schworen. Was Eichendorff fast fünfzehn Jahre vorher als unnöthigdargestellt hatte, war nun, mit dem Blute des Volkes niedergeschrieben,zu einem gegenseitigen Vertrag zwischen Fürsten und Volk geworden,zu einem Vertrag, den Friedrich Wilhelm IV. sein Leben lang bedauerte.Wie Eichendorff über die Begebenheiten des Jahres 1848 dachte, bedarfkaum einer Kennzeichnung. Seine Gesinnung gibt sich lebhaft kund inden Sonetten „Die Altliberalen", „Ihr habt es ja nicht anders habenwollen", „Kein Pardon" und in dem schönen „Das Schiff der Kirche".
Noch schärfer tritt Eichendorff's politische Gesinnung hervor in demprächtig erfundenen witzsprühenden Märchen „Liberias und ihre Freier",welches im Jahre 1849 entstanden ist. Wir sind in einem finsternWalde, wo in ziemlich verrufener Gegend ein Schloß liegt, von dessenBewohnern Niemand etwas kennt. Nachts hört man häufig gewaltigesRumoren in den weiten Hallen, so daß das Schloß in den Ruf großerSpukerei gekommen ist. Bewohnt wird es von dem ehemaligen Staats-bürger, jetzigen Baron Pink ns, der auf einem Trödlermarkt in Berlinden ganzen Nachlaß des seligen Nicolai gekauft hat, jetzt in Ideen machtund eine Gedanken-Dampffabrik angelegt hat. lieber Nacht erscheint nunplötzlich eine schöne Frau, Liberias, welche gekommen ist, ihre Heimath,die dichten Wälder, noch ein Mal zu besuchen, und mit ihrem Erscheinenregt es sich wundersam in Dickicht, Park und Schloß. Pinkus erschricktund läßt die Landstreicherin schleunigst verhaften und in ein Arbeitshausführen. Um diesen großen Sieg aber würdig zu feiern, veranstaltet erein großes Renaissancefest. Die Geschichte macht in ganz Deutschlandgroßes Aufsehen; alle Spatzen plaudern es von den Dächern, und so er-fährt es auch der äußerst gelehrte Doctor Magog, der sich ohne wei-teres auf den Weg in den Urwald begibt, um die Gefangene zu befreien.