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Joseph von Eichendorff : sein Leben und seine Dichtungen ; zur hundertjährigen Geburtstagsfeier am 10. März 1888
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reichischen Landstände in ihren geselligen Abend-Zusammenkünften be-reiteten ihm besondere Empfangs-Festlichkeiten, der Künstlerverein durchein glänzendes Ballfest im Sophienbade, so daß Eichendorff über diesesHalloh, wie er es nannte, scherzhaft in einem Familienbrief bemerkte:»Was man in der Jugend sich wünscht, hat man im Alter vollauf.Dieser alte Spruch trifft hier in Wien auch bei mir ein; die Leutewollen mich durchaus zum berühmten Manne machen.« Bei dem Festeder Concordia wurde Eichendorff, als er eintrat, von der sich erhebendenGesellschaft mit einem so endlosen Sturm von Jubel und Händeklatschenempfangen, daß er davon sichtlich überrascht und bewegt war; zwei An-wesende sprachen Gedichte an ihn, und einen großen Theil des Abendstrugen Opernsänger Eichendorff'sche Lieder vor, von Dessauer außerordent-lich schön componirt."

Eichendorff antwortete auf die poetischen Willkommgrüße in demGedichte „Den Dichtern Wien's bei Gelegenheit eines festlichen Em-pfanges", welches seine dankbaren Gefühle in ergreifender Innigkeit aus-d rückt.

Der Dichter blieb in Oesterreich bis Herbst 1847, nachdem er einenTheil des Sommers in Baden bei Wien verlebt hatte, um dort beiseiner in der lieblich gelegenen Stadt lebenden Schwester Luise zu ver-weilen. Seinem aufmerksamen Auge entging nicht, daß in der öster-reichisch-ungarischen Monarchie eine völlige Umwälzung der Dinge bcvor-stehe; als er aber nach Berlin zurückkehrte, wohin inzwischen auch seinSchwiegersohn, der Hauptmann von Bessercr-Dahlfingen, versetzt war,fand er auch dort die leisen Anzeichen einer tiefgehenden Bewegung. Am18. März 1848 brach der Sturm los und tobte namentlich heftig indem von Eichendorff bewohnten Stadttheile, so daß er und sein Schwie-gersohn während der folgenden Nacht häufig genöthigt waren, in frem-den Häusern Schutz zu suchen. Seine Gattin erkrankte vor Schreck, seineTochter war wegen ihrer Kinder in lebhaftester Besorgniß, so daß derDichter am andern Morgen mit Gattin, Tochter und Enkeln nach Cöthenübersiedelte und von dort, nachdem sich sowohl die Krankheit seiner Gattinwie die der Zeit gebessert hatte, im Juli 1848 nach dem lieblichen Elb-Florenz. Dresden, mit seinen reichen Kunstschätzen und seiner reizen-den Umgebung, wo er das an der Elbe belegene Linke'sche Bad be-wohnte, legte ihm den Wunsch nahe, sich dauernd dort niederzulassen;doch stellten sich der Erfüllung seines Wunsches unüberwindliche Hinder-nisse entgegen. Für einen später bekannt gewordenen jungen Dichterwurde Eichendorff's Aufenthalt in Dresden von großer Bedeutung, fürLebrecht Dreves, welcher zwei Jahre vorher in den Schooß der katho-lischen Kirche zurückgekehrt war. Dreves verkehrte täglich mit dem von