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Joseph von Eichendorff : sein Leben und seine Dichtungen ; zur hundertjährigen Geburtstagsfeier am 10. März 1888
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Unterwegs begegnet er unverhofft seinem Freunde Rüpel, dem unge-schlachten Riesen, der eben ein unmäßiges Vergnügen daran hat, seineeigenen Kinder aufeinander zu Hetzen. Zwischen Beiden beginnt nun dasfolgende, höchst charakteristische und bitter satirische Gespräch. „HerrRüpel," sagt Magog, „ich bin ein Biedermann und kenne kein Hofirenund keinen Hof, als den Hühnerhof meiner Mutter; aber das muß ichIhnen rund heraussagen: Ihre Macht und Gesinnungstüchtigkeit ist durchganz Europa eben so berühmt als geschätzt und eben so geschätzt als ge-fürchtet. Darum wende ich mich vertrauensvoll an Ihr großes Herzund rufe: Wehe und abermals wehe! die Liberias ist geknechtet! —Wollen wir das dulden?" — „Liberias? Wer ist die Person?" fragteRüpel. — „Liberias?" erwiderte Magog, „Liberias ist die Schutz-patronin aller Urwälder, die Patronin dieses langweiligen — wolltesagen: altheiligen Waldes." — „I bewahre," fiel ihm hier die Riesinin's Wort, „unsere Grundherrschaft ist das gnädige Fräulein Sibylla dadraußen." -— „Was? die mit den Papilloten und großen Haubenschach-teln?" rief Magog, den dieser unerwartete Einwurf ganz aus dem Con-cept gebracht hatte. Aber er faßte sich bald wieder. „Grundherrschaft!"fuhr er fort, „schützt die Grille Krokodile, der Frosch das Rhinoceros,der Weißfisch den Haifisch? — Wer die Macht hat, ist der Herr, undIhr habt die Macht, wenn die Liberias regiert, und habt die Machtnicht, wenn die Liberias gefangen ist, und die Liberias ist gefangen —ich frage also nochmals: wollen wir das dulden?" Er beredet nun denRiesen, mit ihm auf die Befreiung der schönen Liberias auszugehen; siesolle dann seine (Magog's) Gemahlin, und Rüpel Beider Haushofmeisterwerden, so daß es ihm an nichts mehr fehlen könne. Rüpel geht daraufein und ruft zum Abschied seinem schluchzenden Weibe zu: „Du sollstvon mir hören!" Auf dem Wege zum Schlosse des Barons Pinkus wirdMagog immer fideler; denn er sieht, daß er den Ungeheuern Knochenseines Begleiters vertrauen darf, und singt sogar sein Leiblied:

Von des Volkes uiwerjährbarcn Rechten

Und der Tyrannen Attentaten,

Die die Völker oerdummen und knechten,

Fürsten, Pfaffen und Bureaukraten.

Sie erleben unterwegs manches seltsame Abenteuer. So begegnet ihneneine Reihe schöner Elfen, denen eine majestätische Dame folgt. Als sievon den beiden Wanderern hört, daß sie Frau Liberias zu befreienbeabsichtigen, lacht sie laut auf und eilt davon. Endlich kommen siedem Schlosse nahe. „Da sahen sie zu ihrer nicht geringen Verwun-derung auf ein Mal einen glänzenden Punkt sich wie eine Sternschnuppeüber's Feld bewegen. Es kam immer näher, und bald konnten sie deut-