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Joseph von Eichendorff : sein Leben und seine Dichtungen ; zur hundertjährigen Geburtstagsfeier am 10. März 1888
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welchem eine seltene geistige Übereinstimmung ihn verband, die Gesammt-Ausgabe seiner Werke zuzueignen.

In Berlin entstanden auch noch mehrere Novellen, welche, wie wirbereits angedeutet haben, des eigentlich romantischen Gehaltes, welcherdie frühem Schöpfungen Eichendorff's so entschieden kennzeichnet, mehroder minder entbehren.Schloß Dürande, "^welches zuerst 1837 in derUrania" erschien, gehört zu den besten Werken unseres Dichters unddarf überhaupt als ein Cabinetstück der Novellistik betrachtet werden.Gleichzeitig ist sie die einzige Novelle Eichendorff's, welche einen Fort-^ schritt gegen die frühere Darstellungsweise bezeichnet und beweist, daß. der Dichter auch in hohem Grade fähig war, echt realistisch zu schildern.Seltsamer Weise finden wir die gleiche Erscheinung bei andern roman-tischen Dichtern, denen man, nach ihren Hauptschöpfungen zu urtheilen,kaum die Fähigkeit zuschreiben möchte, frisch in's Leben hinein zu fassen.Achim von Arnim schrieb dentollen Invaliden", Heinrich von KleistdenMichael Kohlhaas", Brentano dieGeschichte vom braven Kasperlund schönen Annerl" und der schier wahnwitzige E. T. A. Hoffmannseinen lieblichenMeister Martin", dies echt realistische Genrebild.Eichendorff geht inSchloß Dürande" in die Zeit der ersten französischenRevolution zurück und entrollt uns am Faden einer einfachen Handlungein düsteres, grau in grau gemaltes Gemälde. Der im Dienste desGrafen Dürande stehende Jäger Renald sieht, daß seine Schwester Ga-briele mit einem jungen Manne liebelt, den er als Hippolyt, den Sohnseines Herrn, erkennt. In richtiger Erwägung, daß aus diesem Verhält-niß nichts Gutes erwachsen könne, bringt er sie in ein Kloster, aus wel-chem sie jedoch nach einiger Zeit spurlos verschwindet. Da wenige Tagevorher der junge Graf in der Nähe des Klosters gesehen worden ist,so glaubt Renald, derselbe habe seine Schwester entführt. Er eilt zumalten Grafen, der ihn mit Hohn empfängt, zum jungen, der ihn energischabweist, zum Gericht, das auf seine Klagen nicht eingeht er versuchtüberall, sein Recht zu erhalten und die Bestrafung des Entführers her-beizuführen, vergebens; er wird schließlich als Irrsinniger in festen Ge-wahrsam gebracht. Der Dichter hat in diesen Versuchen Renald's, viel-leicht ohne es zu wollen, ein ergreifendes Bild der Zustände in Frank-reich vor Ausbruch der großen Revolution entworfen, in welchem dieVerderbtheit der vornehmen Klassen und die Mangelhaftigkeit der Rechts-pflege in einem grellen Lichte erscheinen. Renald wird nach einigenMonaten aus der Irren-Anstalt entlassen, und nun beginnt er einenähnlichenKampf um's Recht", wie ihn Heinrich von Kleist in seinemKohlhaas" so meisterhaft geschildert hat. Er will sein vermeintlichesRecht, und wenn die Welt darüber zu Grunde geht. Da bricht die